Abteilungsleiterin in Nöten

Vor Kurzem wurde ich zur Abteilungsleiterin befördert. Das war schon lange mein Ziel, also könnte man meinen, ich würde mich freuen. Das tue ich auch. Fachlich kann ich die Aufgaben gut bewältigen. Doch immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich im Umgang mit meinen Mitarbeitern extrem unsicher werde. Am liebsten möchte ich mich dann in meinem Büro verstecken.

Ich habe ständig das Gefühl, zu versagen und dass die Leute mich nicht ernst nehmen. Bisher habe ich immer versucht, nicht weiter aufzufallen. Mit der Taktik bin ich auch gut durchgekommen. Doch wenn ich jetzt kritisiert werde, fehlt mir jegliche Widerstandskraft. Sicherlich ist vieles nicht halb so schlimm, wie ich meine, aber innerlich bin ich jedes Mal völlig fertig. Manchmal braucht es nur einen schiefen Blick, und schon fühle ich mich ganz klein und unfähig, angemessen zu reagieren.

Später bin ich dann wieder wütend auf mich selbst, weil ich so unfähig bin.
Den ganzen Stress nehme ich auch noch mit nach Hause und liege dann nachts oft wach. Wenn das so weiter geht, halte ich auf der Stelle nicht lange durch.

Hallo Abteilungsleiterin,

erst einmal: Herzlichen Glückwunsch!
Sie haben sich ein Ziel gesetzt, und Sie haben es erreicht! Dazu haben Sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich überzeugt. Es gibt in Ihrem Arbeitsumfeld also Menschen, die in Ihnen das ganze Potenzial sehen, die Aufgabe auszufüllen.

Ich kann…!

Auch Sie selbst sind offenbar davon überzeugt (genug), dass in Ihnen die Fähigkeiten stecken, die (An-)Leitung einer Abteilung zu übernehmen. Schließlich hatten Sie den Mut, sich auf die Stelle zu bewerben.
Welche Fähigkeiten sind es, die Sie selbst überzeugt haben? Wie haben Sie es geschafft, so weit zu kommen? Wie haben Sie es geschafft, andere von sich zu überzeugen?

Das ist Ihre Basis. Das ist Ihr „Kapital“. Machen Sie es sich bewusst. Wieder und wieder. Bis Sie es auch glauben.

Mein Vorschlag an Sie: Schreiben Sie es auf.

Sie könnten die Aussagen beginnen mit:
Ich kann…!
Ich weiß, wie/dass…!
Es ist mir schon gelungen, …!
Wenn abc, dann kann/weiß/mache ich xyz….

Vielleicht gibt es auch (in Ihrem Fall besonders wertvolle) Beispiele von
„Andere sagen, ich kann/weiß/mache…“.

Wenn Sie mit der Sammlung Ihrer Stärken fertig sind, hängen Sie diese Informationen an einen Ort, an dem Sie immer wieder diese Selbstbestätigungen, die auf Erfahrung und/oder Fremdeinschätzungen basieren, lesen können. Zum Beispiel in Ihrem Zuhause an den Badezimmerspiegel, an den Kleiderschrank, an die Ausgangstür oder jeden anderen Ort, der Ihnen passend erscheint.

Außerdem verwahren Sie ein zusätzliches Exemplar griffbereit in der Handtasche. So können Sie im Zweifelsfall immer wieder eine Portion Selbstachtung und Selbstwertbestätigung tanken.

Sollte die Taktik der positiven Selbstbestärkung nicht (gut genug) funktionieren, dann empfehle ich Ihnen, dass Sie sich aktive Unterstützung durch ein Gegenüber – in einem begleitenden Coaching oder durch eine Therapie – suchen. Dann könnten Sie im Dialog und bei wohlmeinender Unterstützung die Ursachen Ihrer Unsicherheit ergründen, die Vorteile ihrer bisherhigen Lieblings-Taktik würdigen und ggf. aufgekommene Fremd-Kritik hinterfragen lernen.

Außerdem böte es sich an, Techniken zur Stressreduktion zu erproben, um auf Dauer mehr innere Ruhe zu entwickeln.
Doch dies würde hier zu weit führen.
Daher verbleibe ich damit, Ihnen

von Herzen alles Gute

zu wünschen!

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