Grüße von Frank

Es wäre so etwas wie ein perfekter Osterpost gewesen – doch seit jeher hinke ich der Zeit ein wenig hinterher…

Frank war mein erster Freund. Damals war ich 13 Jahre alt, er 14. Für unser Alter blieben wir recht lange zusammen – fast ein Jahr. Anschließend gab es ein paar Kapriolen, die damit endeten, dass er mich zum Ende eines 2. Versuchs gegen eine meiner besten Freundinnen austauschte. Wenige Jahre später verließ ich meine alte Heimat – doch längst hatten sich die Wogen geglättet, und Frank blieb über die Jahre in meinem Herzen. „Frankie“, so nenne ich ihn längst in Gedanken, zauberte mir beständig ein Lächeln ins Gesicht. Seit meiner Jugend denke ich an jedem 27. Dezember an seinen Geburtstag und gratuliere ihm im Geiste.

Vor etwas über einem Jahr starb er ganz unerwartet. Ich erfuhr an meinem Geburtstag, wenige Tage später, davon. Soweit ich weiß, war sein plötzlicher Tod ein Schock für viele in der Gemeinde, in der er aktiv und integriert gelebt hatte. Beerdigt wurde er – wohl aufgrund seiner Wahlreligion – weit entfernt und ohne Beteiligungsmöglichkeit für jene, die mit ihm aufgewachsen waren.

Nun hatte ich ein beeindruckendes Erlebnis, und ich möchte es teilen – vielleicht kann dieser „Gruß von Frank“ auch andere Herzen berühren.

Seit fast einem Jahr lasse ich mich durch eine Supervisorin/Therapeutin unterstützen. Sie arbeitet mit Aufstellungen auf der individuellen Ebene, und diese lassen eine tiefe Emotionsarbeit und Einsichten zu, die über andere Wege sehr viel schwieriger zu erreichen sind.

Anfang März ging es in meiner Aufstellungsarbeit letztlich um Freiheit im Tun. Die ganze Zeit über geht es schon darum – fließen zu lassen, was in mir steckt, ohne mir selbst im Weg zu stehen. Fließen zu lassen, was mein Gegenüber braucht, ohne einer bestimmten Schule zu folgen. Frei zu sein von Zwängen, und doch produktiv, kreativ, Eingebungen folgend. Ehrlich zu sein und authenthisch, integer und konsequent, basierend auf Klarheit, Ausgerichtetsein und mit Freude. Meine Sorge, die mich zu diesem Termin getrieben hatte: Nicht genug in mir zu finden, um eine Kontinuität an den Tag zu legen, die nichts mit eiserner Disziplin oder leeren Routinen zu tun hat.

Nicht zum ersten Mal in einer Aufstellung fand ich mich im Angesicht des Totenreichs wieder – es ist mir nicht unheimlich. Ganz im Gegenteil: In einer mir vertrauten, undurchdringlichen Schwärze fand ich lange Zeit Ruhe, Erholung und Kraft! Meine Prozess-Begleiterin fragte mich, ob ich mir die ursprüngliche Erfahrung ansehen wolle, die mich dem Tod so nahe gebracht hatte. Ich wollte.*
Wenig später fand ich mich wieder bei der Aussage: „Ich könnte sterben, so scheiße ist das!“ Dann fühlte sich mein Körper an, als wolle er sich übergeben.

Plötzlich stieg mir ein Geruch in die Nase. Ich griff nach meinem üppigen Halstuch, und steckte meine Nase hinein. Es roch – nach Frank!

Ich schaute verblüfft und freudig überrascht auf! Dann steckte ich meine Nase wieder in das Tuch: Immer noch! Es roch nach Frank! Ich schnupperte in die eine Richtung und in die andere – es roch alles nach Frank! Ein sommerlich-süßer, schwerer Duft – ein Geruch, den ich seit meiner Jugend niemals vergessen habe. Er war sehr speziell. Ich habe ihn geliebt!

Katja Dikushina bot an, Frank in die Aufstellung** aufzunehmen, um zu erspüren, welche Energie hier zu Wort kommen wolle. Und so teilte sie/Frank mir mit, er habe gehen müssen, um frei zu sein. Es wäre ihm nicht möglich gewesen, sich so mitzuteilen, wie er gewollt hätte, und zu leben, wonach er sich gesehnt hätte. Doch nun sei er frei und es ginge ihm gut. (Ich hingegen könnte im Leben die ersehnte Freiheit finden und leben.)
Ich habe noch gefragt, was es mit seiner Beisetzung auf sich gehabt hätte, und die Antwort war, dass diese angemessen gewesen sei.

Es mag dahin gestellt sein, ob die Nachricht von Frank eine realitätsnahe Wahrheit enthält, die Franks Empfinden zu Lebzeiten entspricht. Ich weiß es nicht. Das müssen Menschen beurteilen, die ihn wirklich gut kannten und vielleicht etwas über seine Sehnsüchte wissen. Doch vielleicht ist ja etwas dran – und deswegen wollte ich es teilen. Möge es jene erreichen, denen es vielleicht ein Trost ist.

P.S. Am Ende unseres „Gespräches“ steckte ich meine Nase wieder in den Schal. Er roch einfach nur noch nach mir.
P.P.S. Seit der Aufstellung bin ich meinem Ziel auch wieder einen immensen Schritt näher gekommen!

*Dies ist eine andere Geschichte – die ausnahmsweise nicht weiter erzählt werden wird.

**In die Aufstellungsarbeit werden häufig Verstorbene oder auch abstrakte Energien aufgenommen – die Informationen, die sich so gewinnen lassen, haben oft sehr hohe Wahrheitsgehalte und verblüffende Effekte auf bestehende Systeme und lebende Menschen. Dies genauer zu beleuchten, würde hier jedoch viel zu weit führen und wird an vielen anderen Stellen erläutert.
Wobei: Wirklich verständlich wird dies nur in der konkreten Erfahrung.

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