Besser leben in Schlechtwetterzeiten

Zu leben mit Trauer, Kummer und Gram, nach einem Verlust, vielleicht einer Trennung, ist wahrlich nicht einfach.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Wetter…

Schlechtes Wetter kann ein Segen sein. Oder ein Fluch.
Sonnenschein kann ein Segen sein. Oder ein Arsch*.

Und so sind manche manchmal dankbar für trübe Tage – wenn die eigene Stimmung sich deckt mit dem Grau da draußen; wenn sie gedeckelt wird von einem wolkenverhangenen Himmel vor der Tür. Mit ein wenig Glück ist es dann möglich, im Haus zu bleiben, in der Wohnung, im Bett. Wenn nicht – auch egal. Angeblich.

Sich einigeln zu können und nichts zu müssen, sich verweigern zu können ist manchmal ein Vorteil des Single-Daseins. Die Anforderungen bleiben flach. Der Preis: Aufmunterungen obligen der eigenen Verantwortung.

Dabei zeigt sich immer wieder eins: Dem Raum geben, was gerade ist – der Trauer, der Schwere, der Trübnis – ohne Gegenwehr, einfach nur da sein lassen… tut oft gut. Immer mal wieder wandelt sich dann das Einheitsgrau, der Kummer, die Schwäche, in einen Hauch von Lebendigkeit oder auch mehr – denn so ist sie, die Natur von Sein. Veränderlich. Und sei es in Nuancen.

Das zu wissen, kann helfen. Wenn es denn helfen darf. Im Trüb des Verlustes oder des Mangels, aber auch im Erlauben von etwas mehr Leichtigkeit, wenn sie sich zeigt oder gar im Ausprobieren von manch doch (was ein Scheiß*) hilfreicher Technik…

Die Natur von Sein:
Veränderlich.
Und sei es in Nuancen

Wie in Momenten, wenn es dann doch greift, dieses angebliche „Egal“, das in Wahrheit gar nicht egal ist, wenn man doch hinaus muss… Vielleicht mit Widerstand, Widerwillen, schwer und schlapp – und wenn es dann spürbar wird: Wetter ist Leben. Draußen ist (mehr) Licht. Selbst an grauen Tagen.

Ob ich will oder nicht: Rausgehen verändert etwas. Und irgendwie tut es gut – und ganz besonders an Tagen, an denen die Sehnsucht groß ist nach ein klein wenig Leichtigkeit, aber die Kraft gering für eine selbstinduzierte Stimmungsaufhellung.

In solchen Momenten sind jene im Vorteil, die in Gemeinschaft leben… Wenn Andere Sinn und Kraft geben; Andere, für die es sich zu leben lohnt, aufzustehen lohnt, auch in schweren Zeiten.
Doch wenn das graue Wetter da draußen eine zusätzliche Last bildet auf der Schwere des Seins, und es solch eine Wohltat wäre, ein klein wenig mehr Licht und Leichtigkeit zu erleben… Dann ist es ein Fluch.

Dann wäre oder ist Sonne von Nöten, und besonders hilfreich. Denn wenn sie scheint, wenn sie die Wohnung zum Leuchten bringt und Farbe hinein, wenn ihr Licht und ihre Kraft den Schleier der Schwermut durchwebt und Farbe ins Gemüt bringt, dann ist sie ein Segen, der den ganzen Tag aufhellt.

Und doch, blankem Hohn gleich, kann sich ein sonniger Morgen dem schweren Herzen aufdrängen: „Hey, da bin ich! Das lachende Leben! Freude, Geselligkeit, Licht, …“.

Arsch!*

Wenn die Kraft gerade nicht da ist, all das zu sein: freudig, gesellig, lachend. Was für eine Herausforderung, gar Überforderung kann da eine muntere Wetterlage sein! Wenn die Menschen um einen herum angesteckt sind, elektrisiert, aufgeladen von Licht und Wärme und guter Laune – dann ist es so anstrengend, so zu tun, als könne man mithalten, wo man es in Wahrheit doch gar nicht kann!

Und so bleibt es dabei – es wirkt erleichternd, dem Raum zu geben, was gerade ist. Im eigenen Gemüt, an diesem Tag. Und seien es drei Minuten auf der Toilette bei der Arbeit – den Kopf vielleicht in die Hände gestützt, die Augen geschlossen, getragen vom Möbel – nur für einen kleinen, bewussten Moment. Am besten wissend, ihm mehr Raum zu geben zu einer Zeit, da es möglich ist. In einer Zeit der zurückgezogenen Ruhe oder mit einem zugewandten Gegenüber. In einem Gespräch oder bei einem Ritual der Selbstfürsorge oder der Erinnerung, einer Meditation oder einer kleinen Yogareihe…

Und dem Wetter danken – oder ihm sagen: Du kannst mich mal!

*Fluchen und Schimpfworte nutzen, entstresst. Mehr dazu hier oder auch hier.

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