Was der Körper mit dem Denken zu tun hat

Auf der Suche nach einem Anfang für meinen Text – oder überhaupt einem Thema – lasse ich den Blick durch den Raum gleiten. Gerade eben war mir aufgefallen, dass ich unbewegt aus dem Fenster sah – aber bisher war mir von dort noch keine Idee über den Weg gelaufen, keine Eingebung ins Gehirn getropft.

Bewusst – und zu meiner Überraschung sogar gegen einen Widerstand! – bewegte ich den Kopf zur anderen Seite. Plötzlich schossen mir Erinnerungen an meine Schulzeit durch die Gehirnwindungen: Obwohl meine Klasse mehrere Jahre lang den gleichen Klassenraum belegte, saßen wir – also: zumindest ich – immer mal woanders.

Somit hatte ich auch immer mal wieder einen anderen Blick: auf den Raum, in die Gegend, auf meine Klassenkameraden und so weiter.

Lustig, was einem so alles durch den Kopf gehen kann…

Als Schülerin hatte ich kein Problem damit, bei einer Klassenarbeit erst einmal mehrere Minuten lang in die Gegend zu starren, während sich das Material in meinem Kopf zusammensortierte. Heute fühle ich mich faul, wenn ich mir diese Zeit nehmen will… tz.

Aber ich bin abgeschweift. Wo war ich noch?

Ach ja – auf der Suche nach einem Thema oder gar Textanfang. Und die Kopfbewegung hatte ich willentlich eingeleitet, weil die Änderung der Blickrichtung verändern kann, was mir in den Sinn kommt.

Fachlich weiß ich das, seit ich der Methode des Brainspotting begegnet bin. Schließlich eignet sich Brainspotting nicht nur, um psychisch belastendes Material (mehr oder weniger bewusst) abzuarbeiten und zu sortieren, sondern auch, um kreative Verbindungen hervor zu rufen.

Rein sachlich – kann das vermutlich jede(r) an sich selbst beobachten, wenn sie/er bei inneren Suchprozessen nach Gedanken und Erinnerungen genug Aufmerksamkeit für die Beobachtung ihres/seines Tuns aufbringen kann.

Was ist dann zu beobachten?

Da sind Augenbewegungen nach rechts und links, oben und unten – als suchten wir ganz konkret nach etwas. Tun wir ja auch. Nur statt des Autoschlüssels nach etwas in unseren Gehirnwindungen.

Manchmal fangen wir an zu zwinkern, fast, als würden wir eine Strichliste abchecken oder vielleicht Haken an „gefundenes“ oder neu zu integrierendes Material setzen. Das passiert auch, wenn wir vielleicht nicht einmal einen konkreten Gedanken ausmachen können.

Gelegentlich macht auch der Kopf dabei mit.

Ich selbst beobachte, dass sogar mein Körper sich einklinkt und in Bewegung kommt. Dabei tue ich mir manchmal den größten Gefallen, wenn ich dies zulasse. Das wirkt dann wie ein tatsächlicher – äußerer – Stellungswechsel zu der zu betrachtenden Sache oder einem Argument, einer Perspektive…

Erlaube ich meinem Körper, sich zu beteiligen, können meine Gedanken besser fließen. (Es darf allerdings auch nicht zu viel werden – sonst wirkt es ablenkend vom Denkprozess). Hemme ich hingegen meinen Körper komplett – so kommt auch mein Denken ins Stocken. Oder die fehlende Körperbewegung wird durch gesteigerte Augenbewegung kompensiert. Beides fühlt sich dann wiederum anstrengend und unangenehm an.

Dazu fällt mir dann wiederum mein Lieblingsangebot des „Walk & Talk“ ein, und dass es wissenschaftlich als hilfreich erwiesen ist, Themen beim ziellosen Schlendern (im Grünen) zu durchdenken.

Sag ich doch – dann kommt alles viel besser in den Fluß…

Wobei im Gegensatz dazu beim Brainspotting der Fokus auf einen konkreten Punkt gehalten wird… Hm, nein, diesen Ansatz verfolge ich jetzt nicht weiter. Da bekomme ich ja gleich einen Knoten in den Kopf…

Aber vielleicht hast du/haben Sie ja eine andere Meinung dazu!?

Herzliche Grüße,
Katharina Hirsch

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