Corona-Panik

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Liebe Katharina,

ich weiß, es ist im Prinzip irrational, aber seit ich wegen des Corona-Virus zuhause arbeite, überfallen mich immer wieder Panikattacken. Ich kann sie nicht erklären. Aber mit dieser Unruhe kann ich nicht denken! Was mache ich denn nun?

Yasemin

Hallo Corona-Geplagte,

kurz gesagt: Panikattacken im Angesicht von unbekannten, das gewohnte Leben bedrohenden Situationen sind eine natürliche Reaktion, die uns zu körperlichen Höchstleistungen mobilisieren, um durch Kampf oder Flucht der Gefahr zu begegnen bzw. zu entkommen.

Die Panikreaktion
soll dein Leben
retten!

Der Nachteil: Die Energie steht einer nüchternen Analyse der Situation und durchdachtem Vorgehen im Weg.

Mein Tipp: Hilf deinem Körper durch Bewegung, die Kampf- bzw. Fluchtenergie abzubauen, um wieder „auf dem Boden“ anzukommen und klar denken zu können.

Hinweis: Die aktuelle Situation ist für uns alles andere als gewohnt. Noch dazu verändern sich momentan die Rahmenbedingungen in einem extrem schnellen Tempo. Daher kann es vorkommen, dass neue Informationen zu neuen Verunsicherungen führen, und es somit nötig wird, sich im Laufe des Tages mehrfach „runter zu holen“. Daher empfehle ich auf kleinem Raum umsetzbare Aktionen wie z.B. Hampelmänner, Luftboxen oder Liege-/Armstütze.

Die lange Version:

Wie gesagt, dient die aufgescheuchte, unruhige Energie (Herzklopfen bis Herzrasen, beschleunigte Atmung, Gedankenrasen), die wir als Panikattacken bezeichnen, dem Zweck, uns aus einer Notfallsituation hinauszuretten. Durch Kampf, also Angriff, verbunden mit Wut, Drohgebärden und zuschlagenden Impulsen, oder Flucht, also dem Wunsch, zu rennen, die Beine in die Hand zu nehmen, nichts wie weg – aber zack-zack! Für beide Aktionen braucht der Körper Energie. Die bekommt er, indem das Herz schneller pumpt, um Sauerstoff mit Hilfe unseres Blutes durch unsere Adern zu jagen. So bekommen alle Muskeln ihren benötigten Brennstoff. Auch die Atmung ist beschleunigt, und die Lungen hochaufnahmebereit für den Sauerstoff aus der Atemluft, um diesen ins Blut abzugeben.

Analytisches Denken ist in dieser Situation nur etwas für geübte „Troubleshooter“ (beruflich oder vom Leben geformt), also Leute, die sich schon oft in gefahrenvollen Situationen befunden haben und gelernt haben, dass sie damit umgehen können.

Nun macht es tatsächlich aktuell relativ wenig Sinn, irgendwen oder etwas bekämpfen zu wollen (außer potenziell vorhandene Viren durch gründliches Händewaschen mit Seife) oder zu flüchten. Wie also sinnvoll reagieren?

Hilf deinem Körper
mit Bewegung,
die Energie wieder
abzubauen

Hilf deinem Körper, die eigentlich wichtige, sinnvolle (Rettungs-)Energie in Aktivität umzusetzen und somit loszuwerden – indem du dich bewegst, eher schnell, eher kraftvoll. Dazu kann eben der besagte „Hampelmann“ gute Dienste leisten, oder Luftboxen, Kissenboxen, Sandsackboxen – hierbei greifst du die zuschlagende Energie, die (vielleicht) sowieso in deinen Armen steckt, auf, setzt sie um und das Adrenalin im Blut wird abgebaut. Wenn du es zum Beispiel gewohnt sein solltest zu joggen, dann ist das eine tolle Sache – sozusagen eine kontrollierte „Flucht“ zurück zu dir. Aber vielleicht wärest du dann schon ganz von allein auf die Idee gekommen, loszurennen.

Auch Liegestütze können gut funktionieren, oder eben Armstütze jeglicher Art – am Boden, gegen die Wand, an der Sofa- oder Stuhlkante festhaltend, vorwärts, rückwärts… egal. Sogar Yogaübungen wie der Sonnengruß, der Hund, der nach unten schaut, Planke, Seitstütz, Halbmond etc. können gute Dienste leisten. Auch die hierbei bewußt geführte Atmung hilft, dein System zu beruhigen.

Nach einigen Wiederholungen oder einer kleinen Weile wirst du feststellen, wie du ruhiger wirst. Und damit auch wieder denkfähiger.

Und wenn du diesen Punkt erreicht hast – dann kannst du vielleicht überlegen, ob es etwas gibt, das du sinnvoll tun kannst, um dich auf unterschiedliche mögliche Auswirkungen der aktuellen Situation vorzubereiten. Vielleicht zusammen mit deiner Familie, Freunden oder Nachbarn im Gespräch. Gut vorbereitet zu sein, zu wissen, was du tun kannst, wo du im Zweifelsfall Hilfe findest, all dies wird dir ein inneres Gefühl der Kontrollierbarkeit der Situation geben und sollte den Panikattacken ein gutes Stück weit Einhalt gebieten.

Und wenn sie doch wieder kommen – kannst du mit der Bewegung von vorn anfangen, Kontakt zu Menschen suchen, und dir bewusst machen, dass du gut vorbereitet bist.

Komm gut durch die aktuelle Zeit!

Katharina

Karriere mit Hindernissen

Foto: von pixabay, auf pexels

Sehr geehrte Frau Hirsch,

mit 30 Jahren habe ich es schon weit gebracht! Zielgerade strebe ich eine Partnerschaft in einem privaten Bankhaus an. Gut 50 Stunden und mehr investiere ich dafür pro Woche.

Nun belasten mich zwei Sachen:
Zum einen möchte meine Freundin nicht einsehen, dass die Karriere nun einmal meine erste Priorität ist. Sie spricht immer häufiger über Heirat und Kinder.

Dabei, das ist Punkt zwei, ist es jetzt schon schwierig, mich ausreichend zu erholen, da ich seit einiger Zeit schlecht schlafe. In der Nacht kreisen meine Gedanken um die Karriere und einer Angst vorm Versagen. Diesen zusätzlichen Druck von ihr kann ich nicht gebrauchen.

Wie kann ich ihr klarmachen, was wirklich wichtig für mich ist und mich besser auf meine Arbeit konzentrieren?

Freundlichst,
K.B.

Sehr geehrter Karrierist,

sind Sie wirklich sicher, dass Sie Ihrer Freundin klarmachen möchten, dass sie absolut nicht das Wichtigste in Ihrem Leben ist?
Dann dürfte die Antwort doch recht leicht fallen: Sagen Sie es ihr.
Vermutlich werden Sie so den Freiraum gewinnen, sich voll und ganz, befreit von jeglicher Beziehungslast, auf Ihr Ziel zu konzentrieren.

Beim zweiten Teil Ihrer Frage wird es schon kniffliger. Denn wenn Sie schlecht schlafen, weil Sie befürchten, zu versagen, wird das Versagen umso wahrscheinlicher. Ihnen geht nach und nach die Lebens- und Arbeitsenergie verloren. Sie sagten es bereits.

Die Methoden, die mir einfallen, um Ihren Schlaf zu verbessern, werden sich allesamt auf die Zeit auswirken, die Sie für Ihr absolut wichtigstes Ziel aufbringen wollen. Denn Ihr Körper (Erschöpfung) und Geist (gedanklich nicht loslassen können) verlangen dringend nach Ausgleich, nach einer Work-Life-Balance, und zu dieser gehören: Pausen, wertvolle soziale Verbindungen, Bewegung (optimaler Weise in der freien Natur) und lauter solche Sachen, von denen Sie vermutlich nichts hören wollen.

Sollten Sie jedoch das Folgende noch lesen, so kann ich Ihnen sagen: Mit einem ausgeruhten, ausgeglichenen Geist lässt es sich vielfach effektiver denken und arbeiten, in der Folge besser schlafen und dann wieder arbeiten. Und ein bewegter, gekräftigter Körper trägt Sie mit viel mehr Leichtigkeit durch den Tag – und ebenfalls, da durch Aktivität entspannt – durch die Nacht. Eigentlich können Sie nur verlieren, wenn Sie weitermachen wie bisher. Und sehr viel gewinnen, wenn Sie sich erlauben, regelmäßig ein wenig Abstand zu nehmen.

Kommen Sie gern auf mich zurück.

Herzliche Grüße,
Katharina Hirsch

Abteilungsleiterin in Nöten

Vor Kurzem wurde ich zur Abteilungsleiterin befördert. Das war schon lange mein Ziel, also könnte man meinen, ich würde mich freuen. Das tue ich auch. Fachlich kann ich die Aufgaben gut bewältigen. Doch immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich im Umgang mit meinen Mitarbeitern extrem unsicher werde. Am liebsten möchte ich mich dann in meinem Büro verstecken.

Ich habe ständig das Gefühl, zu versagen und dass die Leute mich nicht ernst nehmen. Bisher habe ich immer versucht, nicht weiter aufzufallen. Mit der Taktik bin ich auch gut durchgekommen. Doch wenn ich jetzt kritisiert werde, fehlt mir jegliche Widerstandskraft. Sicherlich ist vieles nicht halb so schlimm, wie ich meine, aber innerlich bin ich jedes Mal völlig fertig. Manchmal braucht es nur einen schiefen Blick, und schon fühle ich mich ganz klein und unfähig, angemessen zu reagieren.

Später bin ich dann wieder wütend auf mich selbst, weil ich so unfähig bin.
Den ganzen Stress nehme ich auch noch mit nach Hause und liege dann nachts oft wach. Wenn das so weiter geht, halte ich auf der Stelle nicht lange durch.

Hallo Abteilungsleiterin,

erst einmal: Herzlichen Glückwunsch!
Sie haben sich ein Ziel gesetzt, und Sie haben es erreicht! Dazu haben Sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich überzeugt. Es gibt in Ihrem Arbeitsumfeld also Menschen, die in Ihnen das ganze Potenzial sehen, die Aufgabe auszufüllen.

Ich kann…!

Auch Sie selbst sind offenbar davon überzeugt (genug), dass in Ihnen die Fähigkeiten stecken, die (An-)Leitung einer Abteilung zu übernehmen. Schließlich hatten Sie den Mut, sich auf die Stelle zu bewerben.
Welche Fähigkeiten sind es, die Sie selbst überzeugt haben? Wie haben Sie es geschafft, so weit zu kommen? Wie haben Sie es geschafft, andere von sich zu überzeugen?

Das ist Ihre Basis. Das ist Ihr „Kapital“. Machen Sie es sich bewusst. Wieder und wieder. Bis Sie es auch glauben.

Mein Vorschlag an Sie: Schreiben Sie es auf.

Sie könnten die Aussagen beginnen mit:
Ich kann…!
Ich weiß, wie/dass…!
Es ist mir schon gelungen, …!
Wenn abc, dann kann/weiß/mache ich xyz….

Vielleicht gibt es auch (in Ihrem Fall besonders wertvolle) Beispiele von
„Andere sagen, ich kann/weiß/mache…“.

Wenn Sie mit der Sammlung Ihrer Stärken fertig sind, hängen Sie diese Informationen an einen Ort, an dem Sie immer wieder diese Selbstbestätigungen, die auf Erfahrung und/oder Fremdeinschätzungen basieren, lesen können. Zum Beispiel in Ihrem Zuhause an den Badezimmerspiegel, an den Kleiderschrank, an die Ausgangstür oder jeden anderen Ort, der Ihnen passend erscheint.

Außerdem verwahren Sie ein zusätzliches Exemplar griffbereit in der Handtasche. So können Sie im Zweifelsfall immer wieder eine Portion Selbstachtung und Selbstwertbestätigung tanken.

Sollte die Taktik der positiven Selbstbestärkung nicht (gut genug) funktionieren, dann empfehle ich Ihnen, dass Sie sich aktive Unterstützung durch ein Gegenüber – in einem begleitenden Coaching oder durch eine Therapie – suchen. Dann könnten Sie im Dialog und bei wohlmeinender Unterstützung die Ursachen Ihrer Unsicherheit ergründen, die Vorteile ihrer bisherhigen Lieblings-Taktik würdigen und ggf. aufgekommene Fremd-Kritik hinterfragen lernen.

Außerdem böte es sich an, Techniken zur Stressreduktion zu erproben, um auf Dauer mehr innere Ruhe zu entwickeln.
Doch dies würde hier zu weit führen.
Daher verbleibe ich damit, Ihnen

von Herzen alles Gute

zu wünschen!

Freigeist im Käfig

Ich sage gerne spontan
„Ja“ zum Leben!

Seit vielen Jahren bin ich als Entrepreneur unterwegs. Ein kreativer Geist liefert mir immer wieder neue Inspiration und ebenso eine sehr gute Intuition.

Ich bin jemand der Abwechslung, Freiheit und Flexibilität schätz. Ohne wird es bei mir zu schnell zu ernst und ich lasse Sachen fallen.

Planungssysteme, Time Management und Co sind mir absolut vertraut. Ich setzte gerne und begeistert alles auf. Mit der Zeit passiert meist folgendes:
Die Leichtigkeit verliert sich und ich vergesse einmal aufgesetzte Systeme. Selbst Kalender Erinnerungen blende ich mental aus. Konsistenz ist die größte Herausforderung für mich in der Selbständigkeit.

Schon früh
wurde mir vermittelt,
ich müsse vernünftig,
ernsthaft und
erwachsen sein.

Teils nehme ich es als Wink vom Universum, dass etwas off ist. Doch im Kern habe ich inzwischen schon im Vorfeld Angst davor: „etwas wieder nicht durchzuziehen“.

Grundsätzlich habe ich sehr viel spontane Bewegung in meinem Leben erlebt. Sei dies große Umzüge mal eben ins Land zu meistern oder den 30sten Job zu machen… ich sage gerne spontan „Ja“ zum Leben!

Schon früh wurde mir eher vermittelt ich müsse vernünftig, ernsthaft und erwachsen sein. Also versuchte ich stets den Drang nach Freiheit, die Leichtigkeit, Begeisterungsfähigkeit und Wandelbarkeit zu besiegen und mich anzupassen. Mit dem Ergebnis, dass ich meine Natur nicht ändere, trotzdem zu viele Ideen und Begeisterung habe. Jedoch dabei mir nicht erlaube, all dies als Geschenk und Lebensfreude zu leben. Anstatt dessen versuche „ernsthaft und seriös“ zu sein. Mit dem Ende vom Lied: sprunghaft zu bleiben, nur dass Geschenk dabei nicht zu leben (Freude, Begeisterung, Positivität) sondern zu verurteilen…

Ich sehe hier zwei Seiten einer Medaille und möchte gerne nicht nur unter dem negativen Aspekt leiden, ja inzwischen sogar davor Angst haben… sondern die positive Seite davon genießen und Wege finden, auf „meine Art“ das Leben zu meistern. Mir selber treu bleibend und ohne Angst…

Vielleicht hast Du ein paar Gedanken dazu, wie ich diese Dynamik wandeln kann….?

Danke!!!

Lieber Freigeist,

du fragst, wie du die nagende, pieksende Stimme der Angst zum Schweigen bringen kannst, während du dich der sprudelnden Lebensfreude, Begeisterung, Schaffenskraft und immer wiederkehrenden Neuorientierung widmest.

Ich habe vielleicht eine Neuigkeit für dich: Die Angst – ist eine etwas überfürsorgliche, aber letztlich gutmeinende Freundin. Sie will, dass du bekommst oder behältst, was dir wichtig ist. Sie will für deine Sicherheit sorgen.
Doch leider ist sie mit ihren Lösungen durch Festhalten, Vermeiden und verkopfter Disziplin vielfach keine gute Ratgeberin.

Somit ist es schon sinnvoll, ihr zuzuhören, ihre Bedenken und Sorgen aufzunehmen – und dann zu prüfen, ob diese Sorgen berechtigt sind (manchmal sind sie es) oder ihr glaubhaft zu versichern, dass sie falsch liegt. Und das tut sie oft.

Mir fällt dazu Ronja Räubertochter ein (Romanfigur von Astrid Lindgren): Vater Mattis fordert Ronja immer wieder dazu auf, sich vor allerlei Gefahren zu hüten, unter anderem davor, in den Höllenschlund zu stürzen. Vermutlich meint er „Halte dich fern!“. Doch Ronja geht hin, und übt sich im Hüten. Wieder und wieder springt sie über den Höllenschlund, bis sie auf ihre Sprungfertigkeiten vertraut. Dort wird sie so schnell nicht hineinfallen. Eines Tages muss Mattis ansehen, wie sie über den Höllenschlund springt. Und auch er erkennt irgendwann an, dass Ronja sehr gut auf sich aufzupassen versteht.

Und wie lange musst du
an etwas dranbleiben,
damit es
als „durchgezogen“ gilt?

Wovor also möchte die Angst dich schützen? Worin sollst du dich „zu hüten üben“? Ist es vielleicht sogar längst so, dass du dich gut zu hüten verstehst?

Mit welchen Erfahrungswerten kannst du der Angst den Wind aus den Segeln nehmen? Worin bist du konsistent? Welche Aufgaben erfüllst du sowohl mit Leichtigkeit als auch mit Zuverlässigkeit? (Vielleicht in einem weniger regelmäßigen, weniger offensichtlichen Zeitmuster, aber vielleicht ja doch mit ganz klaren Grundbedingungen.)

Gibt es gemeinsame Nenner bei deinen unterschiedlichen Projekten, Jobs, Ideen? Welche Erfolge haben sich mit der Zeit eingestellt? Auf welche baust du vielleicht Stück für Stück auf?

Da dir Planungssysteme und Time Management „absolut vertraut“ sind, vermute ich, dass du sie schon oft entwickelt und angewendet hast. (Übrigens: Das scheint mir etwas Konsistentes zu sein.)
Haben sich manche davon für dich doch bewährt? Vielleicht sind sie dir selbstverständlich geworden, und du erkennst sie gar nicht als „erfolgreich drangeblieben“.
Und noch einmal allgemeiner gefragt: Was führt dazu, dass du an etwas dran bleibst? Und wie lange musst du an etwas dranbleiben, damit es als „durchgezogen“ gilt?

Also lausche den Argumenten deiner Angst, nutze deine Intuition und bitte um Inspiration für eine angemessene Form der Konsistenz. Ich bin zuversichtlich, dass die Lösung genau in dir liegt. Als der Person, die du bist.

Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg!
Katharina