Karriere mit Hindernissen

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Sehr geehrte Frau Hirsch,

mit 30 Jahren habe ich es schon weit gebracht! Zielgerade strebe ich eine Partnerschaft in einem privaten Bankhaus an. Gut 50 Stunden und mehr investiere ich dafür pro Woche.

Nun belasten mich zwei Sachen:
Zum einen möchte meine Freundin nicht einsehen, dass die Karriere nun einmal meine erste Priorität ist. Sie spricht immer häufiger über Heirat und Kinder.

Dabei, das ist Punkt zwei, ist es jetzt schon schwierig, mich ausreichend zu erholen, da ich seit einiger Zeit schlecht schlafe. In der Nacht kreisen meine Gedanken um die Karriere und einer Angst vorm Versagen. Diesen zusätzlichen Druck von ihr kann ich nicht gebrauchen.

Wie kann ich ihr klarmachen, was wirklich wichtig für mich ist und mich besser auf meine Arbeit konzentrieren?

Freundlichst,
K.B.

Sehr geehrter Karrierist,

sind Sie wirklich sicher, dass Sie Ihrer Freundin klarmachen möchten, dass sie absolut nicht das Wichtigste in Ihrem Leben ist?
Dann dürfte die Antwort doch recht leicht fallen: Sagen Sie es ihr.
Vermutlich werden Sie so den Freiraum gewinnen, sich voll und ganz, befreit von jeglicher Beziehungslast, auf Ihr Ziel zu konzentrieren.

Beim zweiten Teil Ihrer Frage wird es schon kniffliger. Denn wenn Sie schlecht schlafen, weil Sie befürchten, zu versagen, wird das Versagen umso wahrscheinlicher. Ihnen geht nach und nach die Lebens- und Arbeitsenergie verloren. Sie sagten es bereits.

Die Methoden, die mir einfallen, um Ihren Schlaf zu verbessern, werden sich allesamt auf die Zeit auswirken, die Sie für Ihr absolut wichtigstes Ziel aufbringen wollen. Denn Ihr Körper (Erschöpfung) und Geist (gedanklich nicht loslassen können) verlangen dringend nach Ausgleich, nach einer Work-Life-Balance, und zu dieser gehören: Pausen, wertvolle soziale Verbindungen, Bewegung (optimaler Weise in der freien Natur) und lauter solche Sachen, von denen Sie vermutlich nichts hören wollen.

Sollten Sie jedoch das Folgende noch lesen, so kann ich Ihnen sagen: Mit einem ausgeruhten, ausgeglichenen Geist lässt es sich vielfach effektiver denken und arbeiten, in der Folge besser schlafen und dann wieder arbeiten. Und ein bewegter, gekräftigter Körper trägt Sie mit viel mehr Leichtigkeit durch den Tag – und ebenfalls, da durch Aktivität entspannt – durch die Nacht. Eigentlich können Sie nur verlieren, wenn Sie weitermachen wie bisher. Und sehr viel gewinnen, wenn Sie sich erlauben, regelmäßig ein wenig Abstand zu nehmen.

Kommen Sie gern auf mich zurück.

Herzliche Grüße,
Katharina Hirsch

Genervt vom inneren Schweinehund

Liebe Katharina,

zum Glück ist der Januar vorbei! Jetzt hat es sich bald mit diesen blöden „guten Vorsätzen“ und dass alle Welt kein anderes Thema hat. Das bringt mich nur in den kompletten Widerstand, dabei hat mein innerer Schweinehund auch so schon das Sagen!

Das ist super praktisch

Ich bin 30 Jahre alt, arbeite seit meiner Ausbildung als Bürokauffrau im gleichen Unternehmen und wohne in der gleichen Straße wie meine Eltern. Das hat sich alles so ergeben, ist super praktisch und eigentlich auch ganz schön. Immerhin habe ich meine eigene kleine Wohnung und bin mein eigener Chef.

Trotzdem würde ich gern einiges verändern und manchmal überlege ich, in die Stadt zu ziehen und mir eine neue Wohnung zu suchen. So könnte ich mir die lange Fahrt von einer Stunde bis zu meiner Arbeitsstelle sparen. Ein liebevoller Partner wäre schön und ein paar Kilo weniger würden mir sicher auch gut stehen.

Wenn ich auf dem Sofa liege, scheint oft so klar, wo ich ansetzen muss. Wohnungsanzeigen checken, mich zum online-dating anmelden, mehr Sport machen und so weiter. Aber sobald ich plane, es anzugehen, gewinnt dieser nervige innere Schweinehund.
Janine

Hallo Janine,
eine Stunde Fahrt zur Arbeit erscheint mir gar nicht so praktisch.

Aber dein innerer Schweinehund wird seine Gründe haben, dir das einzureden. Der innere Schweinehund kommt uns zwar oft gemein und sogar träge vor, aber er hat einen Job, den er in der Regel sehr gut und mit viel Einsatz macht: Uns vor Schwierigkeiten bewahren. Der Preis dafür ist leider oft – ein erfüllendes Leben.

Du könntest alles verlieren
und alles gewinnen

Ich muss dir sicher nicht sagen,
dass 1+1=2 ergibt (Stunden, die du täglich für den Arbeitsweg aufbringts. Praktisch?),
dass 1+1>2 sein kann (die Summe ist mehr als die ihre Einzelteile – im Fall einer Partnerschaft), und
(hier stoße ich an die Grenze meiner mathematischen Sprachkenntnisse) 1+1 alles mögliche nach sich ziehen kann: Wenn du zum Beispiel mehr Sport machst, verändert sich nicht nur dein Körper, sondern auch dein Tagesablauf, vielleicht dein Freundeskreis, vielleicht weitere Freizeitaktivitäten, vielleicht Ideen in deinem Kopf, Möglichkeiten in deinem Leben, …

Ui!

Bist du dazu bereit? Du könntest alles verlieren und alles gewinnen (obwohl es in den seltensten Fällen so dramatisch zugeht).

Dein innerer Schweinehund scheint sicher zu stellen, dass alles beim Alten bleibt. Braver Hund, könnte sich auch manche*r denken.

Wenn du nun aber gewillt bist, der großen weiten Welt und dem Leben eine Chance zu geben, so könntest du

nur für einen Tag

deinem inneren Schweinehund die Aufmerksamkeit entziehen, und dir zum Beispiel morgens auf dem Weg zur Arbeit eine Zeitung kaufen oder online ein paar Wohnungsanzeigen checken, ein paar Anrufe tätigen und noch am gleichen Abend ein oder zwei Wohnungen anschauen. Ganz unverbindlich.

Du könntest, noch während du auf dem Sofa liegst und weißt, was du tun solltest, tatsächlich die Online-Anmeldung durchziehen, und einfach mal loslegen. Niemand sagt, dass du dich morgen wieder einloggen musst…

Oder vielleicht würde es Spaß machen, nur für heute (wann auch immer dieser Tag ist) eine Sportgelegenheit zu ergreifen und ausprobieren, wie viel Freude sie dir macht. Vielleicht gibt es eine Freundin, die jubeln würde, wenn du endlich mal mit ihr zu deren Zumba-Kurs im Fitness-Studio mitkommst.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute,
Katharina

Schwert gesucht!

Guten Morgen,

ich bin seit einiger Zeit extrem unmotiviert, meine beruflichen aber auch privaten Arbeiten, die zwingend notwendig erledigt werden müssen, fertig zu stellen. Das führt dazu, dass der Berg der nicht erledigten Dinge inzwischen so stark gewachsen ist, dass ich dem kaum mehr Herr werden kann.

Foto: Fancycrave, Pexels

Kern dieser Problematik scheint die berufliche Situation zu sein, bei der es Ewigkeiten dauert, bis ich anfange die notwendigen Sachen weiter zu bearbeiten und dann massive Konzentrationsprobleme habe, sie auch in der notwendigen Intensität weiter zu bearbeiten.

Entsprechend komme ich nicht bzw. zu wenig dazu, private Dinge zu erledigen, da ich ja immer arbeiten muss und dieses auch versuche.

Leider mit unzureichendem Ergebnis bzw. Erfolg…

Wie kann ich diesen gordischen Knoten knacken?

Danke im voraus für die Antwort

Lieber Aufschieber,

was ist es, das dich von der Arbeit abhält? Hier liegt der Dreh- und Angelpunkt zur Lösung deines Problems. Und wie du selbst es schon sagst: Diesen gordischen Knoten wirst du zerschlagen müssen, um wieder vorwärts zu kommen.

Ob du dies in Eigenaktivität tust, und dafür vermeintlich wertvolle Arbeitszeit nutzt, oder ob du dir Unterstützung suchst, zum Beispiel durch ein klärendes und motivationsstützendes Coaching, das liegt – ebenfalls – ganz bei dir. Auf jeden Fall liegt weitere Arbeit vor dir.

Ich frage mich, ob es sich bei dir um eine Prokrastination mit krankhafter Intensität handelt. Ja, so etwas gibt es. Eine „echte“ Prokrastination gilt als ein Problem der Selbststeuerung und wird entsprechend durch Kniffe der Verhaltenssteuerung bearbeitet.

Brauchst du in dieser Hinsicht Hilfestellungen?

Dann könntest du zum Beispiel deine Arbeitszeit an den problematischen Aufgaben verkürzen!

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Jawohl. Verkürzen. Für den Anfang auf zwei Stunden am Tag. Und erst, wenn du diese zwei Stunden effektiv nutzt, darfst du mehr Zeit dafür aufwenden.

Im Internet gibt es viele Tipps und sogar Webinare zur Selbsthilfe. Und wieder fällt mir ein Coach – vielleicht, aber nicht zwingend, ein Business-Coach – ein, der dich nicht nur durch Informationen und bei der Selbsterkundung, sondern auch mit Feedback ganz individuell unterstützen könnte.

Doch da du davon berichtest, erst „seit einiger Zeit“ darunter zu leiden, gehe ich nicht davon aus, dass hier dein Hinderungsgrund liegt.

Stattdessen liegt mein Hauptaugenmerk auf eher sachlichen oder psychischen Hemmnissen.

Weißt du, was es ist? Was hindert dich wirklich daran, loszulegen?
Bist du vielleicht unendlich urlaubsreif, und dir fehlen körperliche und geistige Energie? Möglicherweise benötigst du ein spezielles Puzzelstück (Wissen, Können, ein konkret materieller Gegenstand), bevor du weitermachen kannst. Gibt es ein wichtiges Thema im privaten oder kollegialen Umfeld, das deine Aufmerksamkeit dauerhaft auf sich zieht? Oder macht dir gar deine Arbeit keinen Spaß mehr? Hast du vielleicht längst deine innere Kündigung geschrieben?

Du ahnst es vielleicht schon, ich könnte jetzt noch eine ganze Weile weiterraten.

Ob mit oder ohne Coach, ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg dabei, deine Antwort zu finden. Du wirst sehen – wenn du der wahren Antwort Raum gibst, liegt die Lösung so gut wie auf der Hand. Und dann ist es nur noch eine Frage des wann und wie.

Katharina