Leben mit Nebenbuhler?

Foto: pexels, by pixabay

Vor 7 Jahren habe ich meine Frau kennengelernt. Wir sind wir 5 Jahren verheiratet, unsere Tochter ist 4 Jahre alt. Seit einigen Monaten lebt meine Frau von montags bis freitags in einer WG in einer 100 km entfernten Stadt. Ich kümmere mich um unsere Tochter.

Vor kurzem wollte ich sie überraschen und fuhr abends zu der anderen Wohnung. Ich habe einen eigenen Schlüssel. Dort fand ich sie im Bett mit ihrem Mitbewohner. Unbemerkt ging ich wieder.

Später stellte ich sie zur Rede. Meine Frau sagte, es sei nur Sex. Sie wolle aber nicht darauf verzichten, weil es so einen besonderen Reiz hätte. Auf ihre Ehe und ihre Familie wolle sie auch nicht verzichten. Ich weiß im Moment nicht, wie ich dauerhaft in einer solchen Konstellation leben kann.

T.B.

Lieber Familienvater,

wichtiger als die Frage, ob Sie in dieser Konstellation leben können – theoretisch und für manch einen auch praktisch ist das durchaus möglich – ist die Frage: Wollen Sie das?

Wollen Sie das?

Sie sprechen davon, dass Ihre Frau nichts aufgeben wolle. Schön für Ihre Frau, dass sie sich über ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse im Klaren ist.

Und wie steht es mit Ihnen?

Wie stehen Sie zu der Tatsache, dass Sie ihre Frau entdeckt haben?

Hätte es einen Unterschied gemacht, wenn sie Ihnen gesagt hätte, dass sie sexuelle Wünsche an ihren Mitbewohner hat? Wenn ja, welchen?

Wie fühlt es sich an, ihre Frau montags zu ihm fahren zu lassen, und sie freitags zurückkehren zu sehen? Wie geht es Ihnen in der Zwischenzeit? Und wie in der Zeit, wenn Sie beide zusammen sind?

Welche Frage, welcher Aspekt beschäftigt Sie zur Zeit ganz konkret oder am Dringendsten? Geht es um greifbare Fakten oder mehr um emotionale Befindlichkeiten?

Gehen Sie
Schritt für Schritt

Vielleicht muss nur eine einzige – die wichtigste – Frage klar und deutlich für Sie beantwortet sein, um zu einer Haltung und dazu passenden Handlung zu kommen. Vielleicht zeigen sich nach und nach verschiedene Details, vielleicht sind auch (schon) alle auf einmal da. Auf jeden Fall steht ein Klärungsprozess für Sie an. Gehen Sie ihn Schritt für Schritt.

Können Sie dies gemeinsam mit Ihrer Frau im Gespräch durchlaufen und klären? Benötigen Sie eine neutrale Person, die Ihnen beiden dabei hilft (z.B. ein Paartherapeut)? Oder brauchen Sie viel mehr einen Menschen, der auf Ihrer Seite steht und Sie stärkt (ein guter Freund, eine väterliche/mütterliche Person aus ihrem Umfeld, ein Therapeut oder Coach)?
Als Coach stehe ich Ihnen gerne bei.

Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gute Portion Klarheit,
Katharina Hirsch

„Vielleicht irgendwann“

Hallo,

ich bin jetzt schon seit 8 Jahren mit meinem Freund zusammen. Es hat lange gedauert, bis es bei uns so richtig fest wurde, weil er sich nicht gerne festlegt. Ich habe aber gelernt, wie ich mit ihm umgehen muss. Mittlerweile wohnen wir zusammen. Ich bin 28 und sehne mich nach einem Baby. Wenn ich ihn darauf anspreche, drückt er sich und sagt: „ vielleicht irgendwann.“ Ich will aber nicht ewig warten! Es fällt es mir schon schwer, das Thema nicht anzusprechen, und ich fange jedes Mal an zu weinen.

Was soll ich tun?




Hallo Sehnsuchtsvolle,

deine Frage spricht von Druck und unbefriedigten Bedürfnissen. So scheint der Drang nach einem Baby in dir groß zu sein. Oder ist es vielleicht ein anderer Drang? Vielleicht nach etwas mehr Macht in der Beziehung? Danach, den eigenen Willen durchsetzen, (vielleicht auch einmal) den Ton und das Tempo vorgeben? Oder geht es dir vielleicht darum, gesehen, gehört, verstanden zu werden?

Manchmal entwickeln wir Menschen eigenartige Wege, um uns zu behaupten. Und wenn wir nicht bekommen, was wir brauchen (z.B. Aufmerksamkeit, Beachtung, Wertschätzung/Liebe usw.), versuchen wir häufig mehr vom Gleichen, anstatt neue Wege zu gehen.

Geht es also aktuell wirklich darum, jetzt ein Baby zu bekommen? Ich frage dich das ganz wertfrei. Denn wenn es so ist, dann kann ein Babywunsch wirklich sehr viel Macht und Druck in einer Frau entwickeln, um sich zu verwirklichen, und dafür auch nach außen drängen. Das hat die Natur grundsätzlich gut eingerichtet, um die Fortpflanzung sicher zu stellen. Rein biologisch (oder nüchtern) betrachtet, muss dann manchmal der eine oder andere potenzielle Partner ausscheiden, weil er sich als untauglich erweist.

Hier habe ich die entscheidende Frage für dich: Ist der Mann an deiner Seite der richtige Partner für dich und deine Zukunft(spläne)?

Wenn du dir unsicher bist, kannst du verschiedene Alternativen fantasieren: 

Wäre er der Richtige, wenn er kein Kind zeugen könnte? Wäre er es, wenn du kein Kind empfangen könntest? Wäre er der Richtige, um vielleicht gemeinsam andere Wege – wie eine Adoption – zu gehen? Wäre er ein guter Vater?

Und dann ist da noch sein „vielleicht irgendwann“:

Wäre er der Richtige, wenn er dauerhaft kein Kind wollen würde und du ihm zuliebe auf die Mutterschaft verzichten müsstest?

Worum also geht? Um deine bestehende Partnerschaft, um Mutterschaft oder um beides? Wenn du diese Frage für dich geklärt hast – und ich behaupte nicht, dass das leicht ist – dann hast du die Richtung, in die es weiter geht.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute,
Katharina

Mitten im Nebel

Liebe Katharina,

ich stehe an einem Punkt im meinem Leben, wo ich nicht mehr klar und deutlich meinen Weg sehe.

Nach Krankheit bekomme ich nun von meinem Chef die Kündigung, nach 26 Berufsjahren.

Ich fühle mich klein und unwissend, obwohl ich mit 55 Jahren mein Leben immer allein gemeistert habe.
Ich habe den Yogaweg eingeschlagen und kann mir vorstellen, hier auch weiter Berufsbegleitend zu unterrichten. Jedoch brauche ich einen Weg bis zur Rente, der dem deutschen System entspricht und mir eine Absicherung gibt. Wie kann ich rausfinden, was für ein Job mir Erfüllung und Zufriedenheit bringt?

Gibt es einen Leitfaden für eine Berufsfindung? Ich bin gespannt was du mir rätst.

Liebe Grüße, Petra

Liebe Petra,

es sind gleich mehrere Aspekte, die dich beschäftigen und die es unter einen Hut zu bringen gilt. Fangen wir jetzt und hier mit dem Ausgangspunkt an, wenn es in deiner beruflichen Zukunft um mehr gehen soll als einen reinen Broterwerb.

Im Sinne eines Leitfadens beginne, für dich zu klären: Was kannst du und – was willst du?

Gerade bei dem ersten Teil der Frage kann es überraschende Erkenntnisse bringen und das Selbstwertgefühl stärken, auch Freunde und Bekannte einzuladen, dich dabei zu unterstützen.

Du kannst 1.000 Dinge
– und mehr!

Eins kann ich dir sagen: Auch wenn du dich klein und unwissend fühlst…. und manchmal fühlt man sich einfach so – so klein und unwissend kannst du gar nicht sein! Wie hättest du sonst dein Leben immer allein meistern können? Außerdem lernt man in 55 Jahren verdammt viel, sofern man sich nicht hinter dem Sofa versteckt. Angefangen bei den grundlegenden Fertigkeiten wie Sprechen, Laufen, andere Kinder nicht an den Haaren zu ziehen, wenn man ihr Spielzeug haben möchte, über die spezielleren Kenntnisse aus der Schulbildung und noch weiter über die der Berufslaufbahn. Dazu kommen alltägliche Tätigkeiten, Hobbies, spezielle Interessen, Beziehungen und Kontakte  – zu Leben bedeutet Lernen vom ersten bis zum letzten Atemzug. Ich vermute, du kannst tausend Dinge und mehr!

Also leg los, schreib es dir auf: Was kannst du alles?
Vielleicht möchtest du direkt beim Atmen anfangen. Als Yogalehrerin ist diese Fähigkeit und das Wissen darum doch schon bedeutsam, nicht wahr!?
Lass dir ruhig ein wenig Zeit, und wage es auch, vermeintlich blöde Sachen aufzuschreiben. Nur weil du z.B. „abwaschen“ aufschreibst, musst du noch lange nicht Spüldienst in einem Restaurant machen (du könntest aber, wenn du wolltest!). Je länger deine Liste wird, und je mehr „bekloppte und banale“ Sachen darauf dürfen, umso eher kann es auch passieren, dass dir Aktivitäten in den Sinn kommen, die dir Freude bereiten, die aber bei einer Suche nach scheinbar rein berufstauglichen Fähigkeiten unter den Tisch fielen.

Wenn Du losziehst,
mit dem Wissen um
deine Herzenswünsche,
dann wirst du
die beste Wahl
erkennen.

Und dann kommt die Sache mit der Freude ganz absichtlich ins Spiel, also knöpfe dir deine Liste wieder vor: Welche der Fertigkeiten und Tätigkeiten machen dir Spaß, erfüllen dich mit Zufriedenheit oder würdest du „wahnsinnig gern machen“? Markiere sie dir, wähle aus, spiele mit Kombinationen, mit Ideen und Möglichkeiten, lass sie in dir lebendig werden. Vielleicht warst du bisher Buchhalterin, und jetzt gehen dir Bilder von Wind und Wetter und natürlicher Umgebung nicht mehr aus dem Sinn.

Ich weiß nichts über deine zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten und Notwendigkeiten, aber wenn du losziehst zur Jobsuche mit dem Wissen um deine wirklichen Herzenswünsche, dann wirst du große Chancen haben, die beste Wahl zu erkennen, die sich dir bietet.

Und noch ein Tipp zum Schluss: Informiere (wenn du soweit bist) auch Freunde und Bekannte über deine Jobsuche – „Vitamin B“ ist ein sehr starker Jobvermittler.

Ich wünsche Dir von Herzen viel Erfolg,
Katharina