Ein lebenswertes Leben

Ich (32) lebe allein und finde das gut so. Ich liebe mein Leben, meinen Job und reise gern. Früher hat das meine Familie beeindruckt, aber jetzt reden alle nur noch von der geplanten Hochzeit meiner jüngeren Schwester. Mir graut es vor dem Fest und der Frage, wann es bei mir so weit sei. Ich fühle mich wie eine Versagerin. Dabei weiß ich nicht einmal, ob ich überhaupt heiraten will.
Theresa

Hallo Allein-Reisende,

Ihre Schwester wird heiraten – und Sie fühlen sich als Versagerin, während Sie ihr Single-Leben (angeblich?) genießen.
Was für eine gute Gelegenheit, die Frage nach den eigenen Ehewünschen und jenem möglichen Versagen einmal (wieder) auf den Prüfstand zu stellen.

Denken Sie weiter!

In früheren Zeiten war es für eine Frau tatsächlich bedeutsam, einen Mann zu finden, der sie finanziell versorgte und ihre Sicherheit garantierte. In der Gesellschaft hatte eine alleinstehende Frau einen weniger angesehenen Stand als die Verheiratete.
Auch heute sind es vor allem alleinstehende Frauen, die von sozialer Isolation und Armut im Alter bedroht sind.
Trotzdem ist es schon früher Frauen gelungen, auf sich selbst gestellt zu überleben. Heute können wir Frauen in Deutschland uns (fast) als gleichberechtigt betrachten, und ohne weiteres „unseren Mann“ alleine stehen.

Und wie steht es um die seligmachende, ewige Zweisamkeit? Im vergangenen Jahr (2019) wurden laut dem Statistischen Bundesamt rund 150.000 Ehen in Deutschland geschieden – über ein Drittel der Anzahl an Ehen, die neu geschlossen wurden. Die aktuell durchschnittliche Lebensdauer einer Ehe: knapp 15 Jahre.

Die Ehe ist kein Garant für ein lebenswertes Leben.

Was wäre,
wenn…?

Eine gelingende Ehe zu führen, bedeutet, sich festzulegen und einzulassen. Auf einen Menschen, mit dem gemeinsam man die Aufgaben des Lebens dann angehen muss.
Häufig legen sich (junge) Menschen auf dieses Abenteuer fest, noch bevor sie das Leben oder sich selbst gut genug kennen, um auch nur zu ahnen, was auf sie zukommen könnte oder worin die persönlichen Herausforderungen in ihnen selbst bzw. ihrem Gegenüber bestehen. Wenn es dann schwierig wird, zeigt sich oft: Der andere Mensch, auf den sie sich festgelegt haben, macht die Sache nicht leichter.

Worin genau also könnte ein Versagen bestehen? Darin, sich die Zeit zu nehmen, sich selbst und die Welt kennenzulernen? Darin, zu prüfen, was für Sie ein passender Lebensentwurf sein könnte, der möglichst langfristig funktioniert? Darin, ein mögliches Gegenüber auf den Prüfstand zu stellen, ob es zu ihren Lebensplänen passt? …?

Und dann zu der eigentlichen, neugierigen Frage: Was wäre, wenn Ihre Antwort darauf hieße „Ich weiß es noch nicht“?
Was könnte wirklich passieren? Seien Sie konsequent. Denken Sie weiter, statt nur „mir graut davor“. Wie könnten die Menschen tatsächlich darauf reagieren?
Stellen Sie als Trockenübung ein paar Theorien auf – inklusive positiver Entwicklungen. Die sind nämlich auch möglich.

Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute,
Katharina Hirsch

Vertrauensfragen

Hallo,
mit 40 Jahren bin ich nach einer kurzen, gescheiterten Ehe wieder allein und kinderlos. Meine Ehe endete in einem Alptraum. Begonnen hat sie als Affaire. Als wir dann schließlich heirateten, dachte ich, alles sei gut. Dann stellte sich heraus, dass mein Mann auch mich die ganze Zeit über betrogen hatte! Und das mit mehreren Frauen. Ich habe die Scheidung eingereicht, was mein Mann überhaupt nicht verstehen wollte. Das Ende vom Lied: Er ist bereits wieder verheiratet. Aber was wird aus mir? Was wird aus meinen Träumen von Haus, Ehepartner, Kind? Wie kann ich jemals wieder einem anderen Mann vertrauen? Wie kann ich jemals wieder auf meine eigene Urteilsfähigkeit vertrauen?

Tatjana B.

Hallo Enttäuschte,
eine wichtige Frage: Wie kannst du (wieder) auf deine eigene Urteilsfähigkeit vertrauen? Ich denke, dies ist der Dreh- und Angelpunkt, alles andere folgt dem nach.

Also wie? Indem du sie überprüfst. Worauf gründest du deine Urteile? Welche Merkmale erscheinen dir wesentlich? Welche davon erweisen sich über die Zeit als verlässlich und bei welchen solltest du vorsichtig sein?

Es wird eine ganze Weile dauern. Denn dazu brauchst du Erfahrungen, aus denen du lernen kannst.

Dies können neue Erfahrungen mit neuen Menschen sein.
Mehr und schneller lernst du jedoch aus der Vergangenheit. Immerhin hast du schon ein paar Jahre Lebenserfahrung und somit vermutlich auch einiges an Beziehungserfahrungen gesammelt. Hieraus kannst du bestimmt tief schöpfen.

Lerne aus
bisherigen
Beziehungen

Es müssen nicht nur Liebesbeziehungen zu Männern sein. Auch deine Erfahrungen mit Bekannten, Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen, Schulkameraden, Familie etc. können dir helfen, dein Urteilsvermögen zu überprüfen. Wo erinnerst du dich an bestimmte Situations- oder Charaktereinschätzungen? Wo lagst du damit richtig und wann hast du dich geirrt? Kannst du bestimmte Muster erkennen, wenn du an verschiedene Erlebnisse oder Menschen denkst? Und schließlich hast du auf einen Mann gebaut, bei dem aus bestimmten Gründen glaubtest, für ihn „die Eine“ zu sein. Wie konnte er dir diesen Eindruck vermitteln? Welche seiner Handlungen haben dir Sicherheit vermittelt? Gab es anders herum vielleicht Momente, in denen du dich unsicher fühltest, aber beschlossen hast, nicht dieses Gefühl zu hinterfragen, sondern ihm zu vertrauen?

Mit diesen und ähnlichen Fragen kannst du dir deinen Erfahrungsschatz an Beurteilungen anschauen, und viel über dich und die (bisherige) Zuverlässigkeit deiner Urteilsfähigkeit lernen.

Was ich aber auch erwähnen möchte:
Es gibt Menschen, die grundsätzlich vertrauen.
Und es gibt solche, die so tun, „als ob“.

Jene, die tatsächlich zutiefst vertrauen, hatten vermutlich das Glück, dass sie in einem vertrauenswürdigen Umfeld aufgewachsen sind.

Auch solchen Menschen kann es passieren, dass sie irgendwann an jemanden geraten, der dieses Vertrauen enttäuscht. Das ist dann eine Lektion, die sie eben zum Glück erst später in ihrem Leben zu lernen haben, auf der Basis vieler guter Erfahrungen. Auch sie müssen für eine neue Stabilisierung ihres Selbstvertrauens vielleicht prüfen, wo Erwartungen und Erfahrungen nicht zusammenpassten, und was darauf hätte hinweisen können, dass es diesmal anders ist. Vielleicht schütteln sich solche Menschen auch nur kurz, weil sie sich darüber bewusst sind: „Ich habe so viele gute Erfahrungen gemacht, jetzt habe ich einmal Pech gehabt. Beim nächsten Mal wird es wieder anders sein.“

Und dann gibt es jene, die so tun „als ob“.

Das sind vielleicht Menschen, denen von ihrem Umfeld schon früh und konsequent erzählt wurde, dass sie vertrauen haben sollen – auch wenn ihre Erfahrung sagte: VORSICHT!
Doch wenn diese Menschen sich auf ihre Erfahrung beriefen, oder das dazugehörige unsichere Gefühl und zweifelnde Gedanken benannten, hieß es in ihrem Umfeld, sie lägen falsch. Ihnen wurde systematisch beigebracht, sich selbst zu misstrauen und ihre Wahrnehmungen zu ignorieren!

Für sie ist es ein wirklich hartes Stück Arbeit, sich aus einer solchen Erfahrungsspirale herauszulösen und Selbstvertrauen (hier: Vertrauen in das eigene Urteil) zu entwickeln. Sie müssen einerseits komplett neu lernen, dass sie sich vertrauen dürfen, vielleicht sogar müssen – und gleichzeitig stehen in einem solchen Fall immer die Beziehungen zu den Menschen auf dem Spiel, die sagten, man läge falsch.

Das kann Manche(r) alleine schaffen. Viel einfacher – und immer noch sehr schwer! – ist es jedoch mit einer langfristigen wohlwollenden Begleitung. Hier ist es eine Psychotherapie durchaus angemessen oder zumindest die Unterstützung durch einen Coach.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute,
Katharina Hirsch

Genervt vom inneren Schweinehund

Liebe Katharina,

zum Glück ist der Januar vorbei! Jetzt hat es sich bald mit diesen blöden „guten Vorsätzen“ und dass alle Welt kein anderes Thema hat. Das bringt mich nur in den kompletten Widerstand, dabei hat mein innerer Schweinehund auch so schon das Sagen!

Das ist super praktisch

Ich bin 30 Jahre alt, arbeite seit meiner Ausbildung als Bürokauffrau im gleichen Unternehmen und wohne in der gleichen Straße wie meine Eltern. Das hat sich alles so ergeben, ist super praktisch und eigentlich auch ganz schön. Immerhin habe ich meine eigene kleine Wohnung und bin mein eigener Chef.

Trotzdem würde ich gern einiges verändern und manchmal überlege ich, in die Stadt zu ziehen und mir eine neue Wohnung zu suchen. So könnte ich mir die lange Fahrt von einer Stunde bis zu meiner Arbeitsstelle sparen. Ein liebevoller Partner wäre schön und ein paar Kilo weniger würden mir sicher auch gut stehen.

Wenn ich auf dem Sofa liege, scheint oft so klar, wo ich ansetzen muss. Wohnungsanzeigen checken, mich zum online-dating anmelden, mehr Sport machen und so weiter. Aber sobald ich plane, es anzugehen, gewinnt dieser nervige innere Schweinehund.
Janine

Hallo Janine,
eine Stunde Fahrt zur Arbeit erscheint mir gar nicht so praktisch.

Aber dein innerer Schweinehund wird seine Gründe haben, dir das einzureden. Der innere Schweinehund kommt uns zwar oft gemein und sogar träge vor, aber er hat einen Job, den er in der Regel sehr gut und mit viel Einsatz macht: Uns vor Schwierigkeiten bewahren. Der Preis dafür ist leider oft – ein erfüllendes Leben.

Du könntest alles verlieren
und alles gewinnen

Ich muss dir sicher nicht sagen,
dass 1+1=2 ergibt (Stunden, die du täglich für den Arbeitsweg aufbringts. Praktisch?),
dass 1+1>2 sein kann (die Summe ist mehr als die ihre Einzelteile – im Fall einer Partnerschaft), und
(hier stoße ich an die Grenze meiner mathematischen Sprachkenntnisse) 1+1 alles mögliche nach sich ziehen kann: Wenn du zum Beispiel mehr Sport machst, verändert sich nicht nur dein Körper, sondern auch dein Tagesablauf, vielleicht dein Freundeskreis, vielleicht weitere Freizeitaktivitäten, vielleicht Ideen in deinem Kopf, Möglichkeiten in deinem Leben, …

Ui!

Bist du dazu bereit? Du könntest alles verlieren und alles gewinnen (obwohl es in den seltensten Fällen so dramatisch zugeht).

Dein innerer Schweinehund scheint sicher zu stellen, dass alles beim Alten bleibt. Braver Hund, könnte sich auch manche*r denken.

Wenn du nun aber gewillt bist, der großen weiten Welt und dem Leben eine Chance zu geben, so könntest du

nur für einen Tag

deinem inneren Schweinehund die Aufmerksamkeit entziehen, und dir zum Beispiel morgens auf dem Weg zur Arbeit eine Zeitung kaufen oder online ein paar Wohnungsanzeigen checken, ein paar Anrufe tätigen und noch am gleichen Abend ein oder zwei Wohnungen anschauen. Ganz unverbindlich.

Du könntest, noch während du auf dem Sofa liegst und weißt, was du tun solltest, tatsächlich die Online-Anmeldung durchziehen, und einfach mal loslegen. Niemand sagt, dass du dich morgen wieder einloggen musst…

Oder vielleicht würde es Spaß machen, nur für heute (wann auch immer dieser Tag ist) eine Sportgelegenheit zu ergreifen und ausprobieren, wie viel Freude sie dir macht. Vielleicht gibt es eine Freundin, die jubeln würde, wenn du endlich mal mit ihr zu deren Zumba-Kurs im Fitness-Studio mitkommst.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute,
Katharina

Abteilungsleiterin in Nöten

Vor Kurzem wurde ich zur Abteilungsleiterin befördert. Das war schon lange mein Ziel, also könnte man meinen, ich würde mich freuen. Das tue ich auch. Fachlich kann ich die Aufgaben gut bewältigen. Doch immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich im Umgang mit meinen Mitarbeitern extrem unsicher werde. Am liebsten möchte ich mich dann in meinem Büro verstecken.

Ich habe ständig das Gefühl, zu versagen und dass die Leute mich nicht ernst nehmen. Bisher habe ich immer versucht, nicht weiter aufzufallen. Mit der Taktik bin ich auch gut durchgekommen. Doch wenn ich jetzt kritisiert werde, fehlt mir jegliche Widerstandskraft. Sicherlich ist vieles nicht halb so schlimm, wie ich meine, aber innerlich bin ich jedes Mal völlig fertig. Manchmal braucht es nur einen schiefen Blick, und schon fühle ich mich ganz klein und unfähig, angemessen zu reagieren.

Später bin ich dann wieder wütend auf mich selbst, weil ich so unfähig bin.
Den ganzen Stress nehme ich auch noch mit nach Hause und liege dann nachts oft wach. Wenn das so weiter geht, halte ich auf der Stelle nicht lange durch.

Hallo Abteilungsleiterin,

erst einmal: Herzlichen Glückwunsch!
Sie haben sich ein Ziel gesetzt, und Sie haben es erreicht! Dazu haben Sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich überzeugt. Es gibt in Ihrem Arbeitsumfeld also Menschen, die in Ihnen das ganze Potenzial sehen, die Aufgabe auszufüllen.

Ich kann…!

Auch Sie selbst sind offenbar davon überzeugt (genug), dass in Ihnen die Fähigkeiten stecken, die (An-)Leitung einer Abteilung zu übernehmen. Schließlich hatten Sie den Mut, sich auf die Stelle zu bewerben.
Welche Fähigkeiten sind es, die Sie selbst überzeugt haben? Wie haben Sie es geschafft, so weit zu kommen? Wie haben Sie es geschafft, andere von sich zu überzeugen?

Das ist Ihre Basis. Das ist Ihr „Kapital“. Machen Sie es sich bewusst. Wieder und wieder. Bis Sie es auch glauben.

Mein Vorschlag an Sie: Schreiben Sie es auf.

Sie könnten die Aussagen beginnen mit:
Ich kann…!
Ich weiß, wie/dass…!
Es ist mir schon gelungen, …!
Wenn abc, dann kann/weiß/mache ich xyz….

Vielleicht gibt es auch (in Ihrem Fall besonders wertvolle) Beispiele von
„Andere sagen, ich kann/weiß/mache…“.

Wenn Sie mit der Sammlung Ihrer Stärken fertig sind, hängen Sie diese Informationen an einen Ort, an dem Sie immer wieder diese Selbstbestätigungen, die auf Erfahrung und/oder Fremdeinschätzungen basieren, lesen können. Zum Beispiel in Ihrem Zuhause an den Badezimmerspiegel, an den Kleiderschrank, an die Ausgangstür oder jeden anderen Ort, der Ihnen passend erscheint.

Außerdem verwahren Sie ein zusätzliches Exemplar griffbereit in der Handtasche. So können Sie im Zweifelsfall immer wieder eine Portion Selbstachtung und Selbstwertbestätigung tanken.

Sollte die Taktik der positiven Selbstbestärkung nicht (gut genug) funktionieren, dann empfehle ich Ihnen, dass Sie sich aktive Unterstützung durch ein Gegenüber – in einem begleitenden Coaching oder durch eine Therapie – suchen. Dann könnten Sie im Dialog und bei wohlmeinender Unterstützung die Ursachen Ihrer Unsicherheit ergründen, die Vorteile ihrer bisherhigen Lieblings-Taktik würdigen und ggf. aufgekommene Fremd-Kritik hinterfragen lernen.

Außerdem böte es sich an, Techniken zur Stressreduktion zu erproben, um auf Dauer mehr innere Ruhe zu entwickeln.
Doch dies würde hier zu weit führen.
Daher verbleibe ich damit, Ihnen

von Herzen alles Gute

zu wünschen!

Ein Weltbild stürzt ein

Foto: Kat Jayne, von Pexels

Liebe Katharina,

nach einer Reise bricht gerade meine Welt zusammen: Beim Anblick meiner Wohnung möchte ich einfach nur in die Knie sinken vor Entsetzen, wie lieblos ich mit meinem Umfeld umgehe. Auf einem Foto musste ich erkennen, dass ich die Dickste unter meinen Bekannten bin – dabei lästere ich ständig über jede Schwäche bei Anderen. Bei meiner (sozialen) Arbeit glaube ich wegen meiner direkten Art auf Ablehnung zu stoßen. Es wird immer schwerer, das alles irgendwie zu überspielen. Was kann ich tun?

Christine

Hallo Erschütterte,

ganz oberflächlich betrachtet, liegt die Antwort auf der Hand:

Schritt 1 – Prüfe, was genau du verändern möchtest.
Schritt 2 – Finde heraus, wie du es angehen kannst. 
Schritt 3 – Tu es.

Allerdings habe ich den Eindruck, es geht hier nicht um die Problemfelder Wohnungsgestaltung, Diät und Sport oder Kommunikationstechniken, sondern um ein anderes Thema: Selbstwert und (Selbst-)Akzeptanz bzw. Annahme.

Ich habe den Impuls, dir zu sagen: Nimm dich fürs Erste selbst in den Arm. Und das gern wirklich konkret (muss ja niemand sehen). Oder wende dich an einen Menschen, den du darum bitten kannst. Solche Einsichten sind manchmal schwer zu ertragen.

Und vielleicht weißt du schon lange um diese Unstimmigkeiten. Vermutlich hast du eine damit einhergehende Selbstabwertung bisher erfolgreich abgewehrt: zum Beispiel durch aktive Ignoranz (z.B. „blind“ für den Zustand deines Umfeld) und Fremdabwertung (lästern).

Nun aber wird es immer schwerer, diese Kluft aus Vorstellungen oder Erwartungen versus Realität zu überbrücken.

Auch wenn Viele es nicht wissen: Es kostet Kraft, unwillkommene Gedanken wie „der mag mich nicht“ oder „ich sehe so hässlich aus“ beiseite zu schieben. Denn wir tun dies (meistens unbewusst), in dem wir Muskeln anspannen, den Atem anhalten oder unsere Aufmerksamkeit verschieben. Diese Vorgänge kosten den Körper Energie.  Wenn sich die Baustellen noch dazu mehren, wird es umso schwerer, diese Energie aufzubringen.

Es ist also mehr als esoterisches Geblubber wenn es heißt, Körper, Geist und Seele seien eins. Wir reagieren mit dem Körper, über Hormone und Nervenimpulse, mit Muskeln und Organen, auf Gedanken und Gefühle.

Im Gegensatz dazu bedeutet Selbstannahme, zu akzeptieren, wie wir sind oder nicht sind, wie wir handeln oder nicht handeln, wie wir fühlen oder nicht fühlen, was wir denken oder dass wir überhaupt denken. Mit dem Nebeneffekt: Keine Muskelanspannung, kein Luftanhalten, keine Ablenkung.

Sei achtsam im Umgang mit dir selbst, und wenn du merkst, dass es zu schwierig ist, dich dir selbst konzentriert zuzuwenden, dann hole dir bitte Unterstützung bei guten Freunden, einfühlsamen und vertrauenswürdigen Zuhörern oder Fachleuten.

Wie also kannst du vorgehen?

Es geht darum, dass du dich dir und deinen Wahrnehmungen und Empfindungen aufmerksam und freundlich zuwendest.

Dazu solltest du wissen, dass Emotionen Gefühle sind, die uns in Bewegung „hin zu“ oder „weg von“ einer Sache bringen wollen. Und diese Gefühle haben die Eigenschaft, sich schnell zu verändern – wenn ihnen keine Bremse (in Form von Anspannung) gesetzt wird. Wenn wir verstehen, wozu uns eine Emotion bewegen will – und der erste Handlungsimpuls verflogen ist – können wir nach einer sinnvollen Lösung Ausschau halten. Oft steht sie uns dann sogar klar und deutlich vor Augen, da die hilfreiche Verhaltensweise nicht mehr von der Emotion selbst vernebelt wird.

Kurz gesagt: Emotionen sind unsere Freunde. Wir müssen sie jedoch „zu nehmen“ lernen.

Nimm dir also ein wenig Zeit, in der du ungestört bist.

Beobachte deinen Atem. Auch er ist ein guter Freund, der dich unterstützt, das Leben (und Emotionen) fließen zu lassen. Den Atem zu beobachten kann generell sehr entspannend sein.
Dann erinnere dich an den Moment deiner Erkenntnis. Spüre in deinen Körper hinein, irgendwo wird er reagieren: mit Anspannung, kribbeln, Wärme, pulsieren, einem Unwohlsein, Aufregung….

Lasse deine Aufmerksamkeit auf dieser Reaktion ruhen. Erinnere dich wieder an deinen Atem, lasse ihn möglichst sanft und gleichmäßig fließen. Beobachte die Regung in dir weiter, und beobachte dein Denken. Vielleicht entstehen auch innere Bilder oder du hörst etwas. Lerne das Zusammenspiel aus Körper und Geist kennen. Lerne die Zusammenhänge kennen. Lasse deinen Atem weiter fließen.

Früher oder später wirst du vermutlich seufzen oder tief durchatmen. In diesem Moment hast du die Anspannung rund um die Reaktion losgelassen, vielleicht hast den Zusammenhang erkannt. Voraussichtlich fühlst du dich dann deutlich ruhiger und vielleicht so etwas wie Frieden in dir.

Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg!
Katharina

Freigeist im Käfig

Ich sage gerne spontan
„Ja“ zum Leben!

Seit vielen Jahren bin ich als Entrepreneur unterwegs. Ein kreativer Geist liefert mir immer wieder neue Inspiration und ebenso eine sehr gute Intuition.

Ich bin jemand der Abwechslung, Freiheit und Flexibilität schätz. Ohne wird es bei mir zu schnell zu ernst und ich lasse Sachen fallen.

Planungssysteme, Time Management und Co sind mir absolut vertraut. Ich setzte gerne und begeistert alles auf. Mit der Zeit passiert meist folgendes:
Die Leichtigkeit verliert sich und ich vergesse einmal aufgesetzte Systeme. Selbst Kalender Erinnerungen blende ich mental aus. Konsistenz ist die größte Herausforderung für mich in der Selbständigkeit.

Schon früh
wurde mir vermittelt,
ich müsse vernünftig,
ernsthaft und
erwachsen sein.

Teils nehme ich es als Wink vom Universum, dass etwas off ist. Doch im Kern habe ich inzwischen schon im Vorfeld Angst davor: „etwas wieder nicht durchzuziehen“.

Grundsätzlich habe ich sehr viel spontane Bewegung in meinem Leben erlebt. Sei dies große Umzüge mal eben ins Land zu meistern oder den 30sten Job zu machen… ich sage gerne spontan „Ja“ zum Leben!

Schon früh wurde mir eher vermittelt ich müsse vernünftig, ernsthaft und erwachsen sein. Also versuchte ich stets den Drang nach Freiheit, die Leichtigkeit, Begeisterungsfähigkeit und Wandelbarkeit zu besiegen und mich anzupassen. Mit dem Ergebnis, dass ich meine Natur nicht ändere, trotzdem zu viele Ideen und Begeisterung habe. Jedoch dabei mir nicht erlaube, all dies als Geschenk und Lebensfreude zu leben. Anstatt dessen versuche „ernsthaft und seriös“ zu sein. Mit dem Ende vom Lied: sprunghaft zu bleiben, nur dass Geschenk dabei nicht zu leben (Freude, Begeisterung, Positivität) sondern zu verurteilen…

Ich sehe hier zwei Seiten einer Medaille und möchte gerne nicht nur unter dem negativen Aspekt leiden, ja inzwischen sogar davor Angst haben… sondern die positive Seite davon genießen und Wege finden, auf „meine Art“ das Leben zu meistern. Mir selber treu bleibend und ohne Angst…

Vielleicht hast Du ein paar Gedanken dazu, wie ich diese Dynamik wandeln kann….?

Danke!!!

Lieber Freigeist,

du fragst, wie du die nagende, pieksende Stimme der Angst zum Schweigen bringen kannst, während du dich der sprudelnden Lebensfreude, Begeisterung, Schaffenskraft und immer wiederkehrenden Neuorientierung widmest.

Ich habe vielleicht eine Neuigkeit für dich: Die Angst – ist eine etwas überfürsorgliche, aber letztlich gutmeinende Freundin. Sie will, dass du bekommst oder behältst, was dir wichtig ist. Sie will für deine Sicherheit sorgen.
Doch leider ist sie mit ihren Lösungen durch Festhalten, Vermeiden und verkopfter Disziplin vielfach keine gute Ratgeberin.

Somit ist es schon sinnvoll, ihr zuzuhören, ihre Bedenken und Sorgen aufzunehmen – und dann zu prüfen, ob diese Sorgen berechtigt sind (manchmal sind sie es) oder ihr glaubhaft zu versichern, dass sie falsch liegt. Und das tut sie oft.

Mir fällt dazu Ronja Räubertochter ein (Romanfigur von Astrid Lindgren): Vater Mattis fordert Ronja immer wieder dazu auf, sich vor allerlei Gefahren zu hüten, unter anderem davor, in den Höllenschlund zu stürzen. Vermutlich meint er „Halte dich fern!“. Doch Ronja geht hin, und übt sich im Hüten. Wieder und wieder springt sie über den Höllenschlund, bis sie auf ihre Sprungfertigkeiten vertraut. Dort wird sie so schnell nicht hineinfallen. Eines Tages muss Mattis ansehen, wie sie über den Höllenschlund springt. Und auch er erkennt irgendwann an, dass Ronja sehr gut auf sich aufzupassen versteht.

Und wie lange musst du
an etwas dranbleiben,
damit es
als „durchgezogen“ gilt?

Wovor also möchte die Angst dich schützen? Worin sollst du dich „zu hüten üben“? Ist es vielleicht sogar längst so, dass du dich gut zu hüten verstehst?

Mit welchen Erfahrungswerten kannst du der Angst den Wind aus den Segeln nehmen? Worin bist du konsistent? Welche Aufgaben erfüllst du sowohl mit Leichtigkeit als auch mit Zuverlässigkeit? (Vielleicht in einem weniger regelmäßigen, weniger offensichtlichen Zeitmuster, aber vielleicht ja doch mit ganz klaren Grundbedingungen.)

Gibt es gemeinsame Nenner bei deinen unterschiedlichen Projekten, Jobs, Ideen? Welche Erfolge haben sich mit der Zeit eingestellt? Auf welche baust du vielleicht Stück für Stück auf?

Da dir Planungssysteme und Time Management „absolut vertraut“ sind, vermute ich, dass du sie schon oft entwickelt und angewendet hast. (Übrigens: Das scheint mir etwas Konsistentes zu sein.)
Haben sich manche davon für dich doch bewährt? Vielleicht sind sie dir selbstverständlich geworden, und du erkennst sie gar nicht als „erfolgreich drangeblieben“.
Und noch einmal allgemeiner gefragt: Was führt dazu, dass du an etwas dran bleibst? Und wie lange musst du an etwas dranbleiben, damit es als „durchgezogen“ gilt?

Also lausche den Argumenten deiner Angst, nutze deine Intuition und bitte um Inspiration für eine angemessene Form der Konsistenz. Ich bin zuversichtlich, dass die Lösung genau in dir liegt. Als der Person, die du bist.

Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg!
Katharina