Frustkiller für die Freundschaft

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Mein Leben ist das totale Chaos: Meine Oma ist schwer krank. Vielleicht muss sie in ein Heim. Mein Opa sucht eine neue Wohnung. Ich warte auch darauf, dass mein Vater, mein Bruder und ich umziehen. Wir wohnen wir bei der Freundin von meinem Vater. Ich habe Angst vor ihr, weil sie mich immer fertig macht. Mein Vater hat gesagt, er macht mit ihr Schluss und wir ziehen weg. Aber jetzt will sie eine große Wohnung, und er redet wieder nicht mit uns. Wir haben schon unsere Tante gefragt, damit sie ihn fragt. Das macht sie auch.
Das alles ist in meinem Kopf und ich breche abends zusammen und weine mich in den Schlaf. Meine beste Freundin versucht schon dauernd, mich aufzuheitern. Das schlimme ist, dass ich dann wütend werde und ich lasse meinen Frust an ihr aus. Sie sagt, sie kann das ab.
Aber ich will das nicht mehr! Wie kriege ich das hin?

Hallo Überforderte,
gleich mehrere Lebensbereiche stehen bei dir vor einer Veränderung, und es klingt so, als könntest du einfach nur abwarten was passiert. Das ist eine schwierige Situation. Die meisten Menschen mögen es nicht, wenn sie keinen Einfluss auf Wichtiges haben. Das passende Gefühl dazu heißt „ohnmächtig“ oder auch „hilflos“, und dies wieder macht oft wütend.

Nun hast du ein paar Menschen, die dich unterstützen wollen: Deine Tante, die mit deinem Vater reden will und deine Freundin, die sich im Moment einiges von dir gefallen lässt und sich Mühe gibt, dich an die schönen Seiten im Leben zu erinnern. Dein Bruder sitzt mit dir in einem Boot und auch dein Vater versucht anscheinend sein Mögliches, damit es dir gut geht.
So weit hast du in dem ganzen Chaos schon mal eine gute Ausgangslage – du bist nicht allein, und somit passt „hilflos“ letztlich nicht zur tatsächlich vorhandenen Situation. Und trotzdem kann es sich manchmal so anfühlen.

Sie möchte, dass es
dir gut geht!

Nun sehe ich eine andere Herausforderung, mit der du es zu tun haben könntest: Durch die ganzen Unsicherheiten schleppst du einiges an emotionalem Gewicht mit dir herum – Ohnmacht und Hilflosigkeit fühlen sich oft wie Bleigewichte an, die den Körper „runterziehen“, ihn schwer machen – jede Bewegung, jede Regung schwer machen.
Und während du dich so abschleppst, möchte deine Freundin, dass du leicht und fröhlich bist. Sie möchte, dass es dir gut geht.
Dabei hat sie nicht die Macht, dir Erleichterung zu verschaffen. Sie kann die Situationen nicht lösen. Sie glaubt sicherlich, dass es dir hilft, wenn du so tust, „als ob“ es dir gut ginge. Vielfach können wir lesen oder hören, dass dies helfen soll.

Teilweise stimmt das auch:
Kurzfristig kann uns das ablenken. Sollte sich in der Zwischenzeit etwas wichtiges weiterentwickeln und verändern, dann funktioniert diese Taktik auch auf lange Sicht.

Andererseits ist sie manchmal sehr, sehr anstrengend. Und auch hier kann wieder Wut aufkommen, um sich davor zu schützen. Hier zwei Ansätze zur Entlastung:

Punkt 1: Bitte deine Freundin, dir zu erlauben, traurig zu sein und „durchzuhängen“. Bitte sie, dich so zu nehmen, wie du (jetzt gerade) bist. Das ist vielleicht schwierig für sie. Für dich aber ist es leichter, als auf das Gewicht noch mehr obendrauf zu packen. Oft ergibt sich aus einer bewussten Zeit des „sich hängen lassens“ so viel Entspannung, dass sich der Körper und die Psyche erholen können und für einen Weile auch wieder leicht(er) sein können.

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Schon hier kann es sein, dass du deinen Frust nicht mehr an ihr auslassen musst. Falls der Frust aber doch noch regiert, weil die Situation selbst sich noch nicht verändert hat, kommen wir zu …

Punkt 2: Ich gehe davon aus, dass die Variante, den Frust an deiner Freundin auszulassen, für den Moment hilft. Sonst würdest du sie vermutlich nicht mehr anwenden. In diesem Fall bietet es sich an, diesen Frust an eine andere „Adresse“ loszulassen. Wo und wie könntest du dich also ohne Schaden an anderer Stelle entlasten?

Herrlich meckern lässt es sich zum Beispiel beim Staubsaugen mit dem Teppich, der jetzt so richtig kräftig abgebürstet wird – obendrein wird er praktischer Weise gleich sauber und gestaute Energie aus deinen Muskeln kann abgebaut werden.
Viele Hausarbeiten oder körperliche Aktivitäten eignen sich, einem vorgestellten Gegenüber die Meinung zu erzählen. Je bewusster du dabei bist, dir also selbst zuhörst und weißt, dass du „in Wahrheit“ gerade mit XY statt mit dem Teppich rummeckerst, umso wirkungsvoller ist das Ganze. So können wir nämlich gleichzeitig zu einem Freund/einer Freundin für uns selbst werden, wenn wir uns zustimmen oder mit uns Mitgefühl haben können. Wir können manchmal aber auch feststellen, dass wir gerade ganz schön unfair sind, und weil es ja nur der Teppich ist, können wir einfach nochmal neu ansetzen. Vielleicht gelingt es mit ein bischen Zeit, das zu sagen, was wirklich auf der Seele liegt.

Und natürlich tut es manchmal einfach gut, etwas kaputt zu machen. Aber weil auch das nur eine kurzfristige emotionale Entlastung bringt, aber keine langfristige Lösung, sollte es etwas sein, das du hinterher nicht mehr brauchst!

Ein konstruktiver Mittelweg kann dies hier sein:
Zuerst schreibst du deinen Frust auf ein Blatt Papier.
Hinterher zerreißt du es bis in kleinste Fitzelchen. Herrlich!

Was hier passieren kann: Das Aufschreiben an sich hat oft eine stark entlastende Wirkung! Wenn du es schaffst, wirklich in Worte zu fassen, was dich nervt, ergibt sich vielleicht eine direkte Selbstbestätigung („Genau! So ist das nämlich!“).
Anschließend kann vermutlich der sachlich-logische Menschenverstand wieder gehört und beachtet werden.

Vielleicht findest du auch eine ganz andere Form zum Frustabbau – ohne deine Freundin anzugreifen. Und wenn sich die Situationen im Außen dann Stück für Stück klären, wird auch dein Frust weniger werden.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute,
Katharina Hirsch

Burnout an der Waschmaschine

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Liebe Katharina,

ich bin angestellt in einer leitenden Funktion im sozialen Bereich. Immer wieder stehe ich vor großen Herausforderungen im Umgang mit Finanzen in meinem Bereich, dabei gibt es viel Druck von Seiten der Geldgeber und wenig Hilfestellung, auch nicht durch die Kollegen. Außerdem bin ich diejeniege, die bei jedem Streit im Team angesprochen wird. Oft komme ich mir vor wie im Kindergarten. Jetzt befürchte ich, dass ich einen Burnout habe – am Wochenende habe ich mich komplett in meiner Wohnung verkrochen. Ich wollte niemanden sehen oder hören, dabei gab es eine Verabredung, auf die ich mich sogar gefreut hatte. Ich musste sie absagen!

Rückzugsimpulse sind
ein natürlicher Reflex
der Selbstfürsorge!

Zum Schluss habe ich sogar auf das Piepen meiner Waschmaschine mit einem Heulanfall reagiert. Ich will einfach nicht mehr. Was mache ich denn jetzt?

Lydia Z.

Hallo Erschöpfte,

Rückzugsimpulse, noch dazu in einem komplexen, insgesamt fordernden Umfeld, sind erst einmal ein sehr natürlicher, gesunder Reflex – sich immer wieder Erholungspausen zu nehmen, zu geben, zu erlauben, ist eine wichtige Strategie, um die eigenen Batterien wieder aufzuladen.

Ja, oft geben Freunde und liebe Menschen uns neuen Schwung und ermöglichen uns, loszulassen, auf andere Gedanken zu kommen, uns zu erfrischen.

Und dann wieder geht es manchmal einfach darum, möglichst gar nichts zu müssen! So absolut rein gar nichts. Nicht einmal reden, lächeln, irgendwas…

In der Bibel steht: „Am siebten Tage sollst du ruh‘n“. Ich verstehe das als psycho-logische und gesellschaftliche Aufforderung zu einer regelmäßigen, individuellen Erfrischungskur.

Wir brauchen Zeiten des Nichts-tuns. Die kreative Geschichtenerfinderin Astrid Lindgren soll dazu gesagt haben: „…und dann muss man ja auch noch die Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen“.

Für manche Menschen ist jedoch genau das das Schwierigste überhaupt: loszulassen; sich nicht angesprochen zu fühlen von irgendwelchen Aufgaben, die erledigt werden könnten (angeblich sogar „müssen“), von Ideen, die verfolgt und umgesetzt werden könnten, von Kontakten, die gepflegt werden sollten, und so weiter, und so fort…

Für Burnout-Geplagte gilt es zu lernen, „Nein“ zu sagen zu Anderen bzw. zu Anforderungen von Außen und diese für eine Weile zu vergessen, während sie „ja“ sagen zu sich selbst.

Burnout hin oder her: Offenbar ist es in deinem Leben so weit gekommen, dass dein System einfach nur noch „Nichts“ will. Anders gesagt: eine Ruhepause. Eine so absolute Pause, dass sie nicht einmal gestört wird von der Info einer fertigen Waschmaschine mit ihrer (von dir verstandenen) Aufforderung zur Aktivität!

Wenn es um pure Erschöpfung geht, dann hilft dir für den Anfang vielleicht eine ärztlich verordnete Auszeit.

Doch vermutlich brauchst du auch etwas, wodurch du dich regelmäßig erholen kannst, eine regelmäßige Routine ganz in deinem eigenen Tempo und nur für dich. Dies könnte eine tägliche Atem- oder Entspannungsübung sein, eine Weile des ungestörten Lesens, eine Zeit zum Löcher-in-die-Luft-starren oder anderes. Vielleicht hilft dir auch eine wöchtenliche Ich-Zeit mit einem offiziellen Rahmen wie eine Massage, eine Runde Yoga unter Anleitung (hier kann ich Yin-Yoga oder Restorative-Yoga empfehlen: zwei Stile, bei denen „Nichts-tun“ unter verschiedenen Bedingungen angesagt ist – und vor allem ohne sportlichen Anspruch!) oder etwas anderes, das dir gut tut.

Was kannst du abgeben?
Welche Aufgaben delegieren,
welche umorganisiseren?

Und dann gibt es auch noch die andere Seite des Burnouts, die bereinigt werden muss: Jene des „Zuviel“. Hier braucht es ein „Weniger“, ein Abgeben von Aufgaben, ein Delegieren, Umorganisieren.

Vielleicht ist es hierbei besonders hilfreich, dir konkrete Unterstützung zu holen. Alleine passiert es schnell, dass wir betriebsblind werden, indem wir (für Andere) offensichtliche Lösungen übersehen oder gar nicht auf die Idee kommen, sie in Betracht zu ziehen. Hilfreich kann bedeuten: Eine wohlwollende Kollegin, ein guter Freund, eine vertraute Ratgeberin oder eine professionelle Fachkraft wie ein Coach – jemand, der dir hilft/helfen kann, den Blick aufs Ganze zu behalten und ebenso bei Bedarf freundlich nachzuhaken und ins Detail zu gehen.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute,
Katharina

Karriere mit Hindernissen

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Sehr geehrte Frau Hirsch,

mit 30 Jahren habe ich es schon weit gebracht! Zielgerade strebe ich eine Partnerschaft in einem privaten Bankhaus an. Gut 50 Stunden und mehr investiere ich dafür pro Woche.

Nun belasten mich zwei Sachen:
Zum einen möchte meine Freundin nicht einsehen, dass die Karriere nun einmal meine erste Priorität ist. Sie spricht immer häufiger über Heirat und Kinder.

Dabei, das ist Punkt zwei, ist es jetzt schon schwierig, mich ausreichend zu erholen, da ich seit einiger Zeit schlecht schlafe. In der Nacht kreisen meine Gedanken um die Karriere und einer Angst vorm Versagen. Diesen zusätzlichen Druck von ihr kann ich nicht gebrauchen.

Wie kann ich ihr klarmachen, was wirklich wichtig für mich ist und mich besser auf meine Arbeit konzentrieren?

Freundlichst,
K.B.

Sehr geehrter Karrierist,

sind Sie wirklich sicher, dass Sie Ihrer Freundin klarmachen möchten, dass sie absolut nicht das Wichtigste in Ihrem Leben ist?
Dann dürfte die Antwort doch recht leicht fallen: Sagen Sie es ihr.
Vermutlich werden Sie so den Freiraum gewinnen, sich voll und ganz, befreit von jeglicher Beziehungslast, auf Ihr Ziel zu konzentrieren.

Beim zweiten Teil Ihrer Frage wird es schon kniffliger. Denn wenn Sie schlecht schlafen, weil Sie befürchten, zu versagen, wird das Versagen umso wahrscheinlicher. Ihnen geht nach und nach die Lebens- und Arbeitsenergie verloren. Sie sagten es bereits.

Die Methoden, die mir einfallen, um Ihren Schlaf zu verbessern, werden sich allesamt auf die Zeit auswirken, die Sie für Ihr absolut wichtigstes Ziel aufbringen wollen. Denn Ihr Körper (Erschöpfung) und Geist (gedanklich nicht loslassen können) verlangen dringend nach Ausgleich, nach einer Work-Life-Balance, und zu dieser gehören: Pausen, wertvolle soziale Verbindungen, Bewegung (optimaler Weise in der freien Natur) und lauter solche Sachen, von denen Sie vermutlich nichts hören wollen.

Sollten Sie jedoch das Folgende noch lesen, so kann ich Ihnen sagen: Mit einem ausgeruhten, ausgeglichenen Geist lässt es sich vielfach effektiver denken und arbeiten, in der Folge besser schlafen und dann wieder arbeiten. Und ein bewegter, gekräftigter Körper trägt Sie mit viel mehr Leichtigkeit durch den Tag – und ebenfalls, da durch Aktivität entspannt – durch die Nacht. Eigentlich können Sie nur verlieren, wenn Sie weitermachen wie bisher. Und sehr viel gewinnen, wenn Sie sich erlauben, regelmäßig ein wenig Abstand zu nehmen.

Kommen Sie gern auf mich zurück.

Herzliche Grüße,
Katharina Hirsch