Corona-Panik

Bild von Arek Socha auf Pixabay

Liebe Katharina,

ich weiß, es ist im Prinzip irrational, aber seit ich wegen des Corona-Virus zuhause arbeite, überfallen mich immer wieder Panikattacken. Ich kann sie nicht erklären. Aber mit dieser Unruhe kann ich nicht denken! Was mache ich denn nun?

Yasemin

Hallo Corona-Geplagte,

kurz gesagt: Panikattacken im Angesicht von unbekannten, das gewohnte Leben bedrohenden Situationen sind eine natürliche Reaktion, die uns zu körperlichen Höchstleistungen mobilisieren, um durch Kampf oder Flucht der Gefahr zu begegnen bzw. zu entkommen.

Die Panikreaktion
soll dein Leben
retten!

Der Nachteil: Die Energie steht einer nüchternen Analyse der Situation und durchdachtem Vorgehen im Weg.

Mein Tipp: Hilf deinem Körper durch Bewegung, die Kampf- bzw. Fluchtenergie abzubauen, um wieder „auf dem Boden“ anzukommen und klar denken zu können.

Hinweis: Die aktuelle Situation ist für uns alles andere als gewohnt. Noch dazu verändern sich momentan die Rahmenbedingungen in einem extrem schnellen Tempo. Daher kann es vorkommen, dass neue Informationen zu neuen Verunsicherungen führen, und es somit nötig wird, sich im Laufe des Tages mehrfach „runter zu holen“. Daher empfehle ich auf kleinem Raum umsetzbare Aktionen wie z.B. Hampelmänner, Luftboxen oder Liege-/Armstütze.

Die lange Version:

Wie gesagt, dient die aufgescheuchte, unruhige Energie (Herzklopfen bis Herzrasen, beschleunigte Atmung, Gedankenrasen), die wir als Panikattacken bezeichnen, dem Zweck, uns aus einer Notfallsituation hinauszuretten. Durch Kampf, also Angriff, verbunden mit Wut, Drohgebärden und zuschlagenden Impulsen, oder Flucht, also dem Wunsch, zu rennen, die Beine in die Hand zu nehmen, nichts wie weg – aber zack-zack! Für beide Aktionen braucht der Körper Energie. Die bekommt er, indem das Herz schneller pumpt, um Sauerstoff mit Hilfe unseres Blutes durch unsere Adern zu jagen. So bekommen alle Muskeln ihren benötigten Brennstoff. Auch die Atmung ist beschleunigt, und die Lungen hochaufnahmebereit für den Sauerstoff aus der Atemluft, um diesen ins Blut abzugeben.

Analytisches Denken ist in dieser Situation nur etwas für geübte „Troubleshooter“ (beruflich oder vom Leben geformt), also Leute, die sich schon oft in gefahrenvollen Situationen befunden haben und gelernt haben, dass sie damit umgehen können.

Nun macht es tatsächlich aktuell relativ wenig Sinn, irgendwen oder etwas bekämpfen zu wollen (außer potenziell vorhandene Viren durch gründliches Händewaschen mit Seife) oder zu flüchten. Wie also sinnvoll reagieren?

Hilf deinem Körper
mit Bewegung,
die Energie wieder
abzubauen

Hilf deinem Körper, die eigentlich wichtige, sinnvolle (Rettungs-)Energie in Aktivität umzusetzen und somit loszuwerden – indem du dich bewegst, eher schnell, eher kraftvoll. Dazu kann eben der besagte „Hampelmann“ gute Dienste leisten, oder Luftboxen, Kissenboxen, Sandsackboxen – hierbei greifst du die zuschlagende Energie, die (vielleicht) sowieso in deinen Armen steckt, auf, setzt sie um und das Adrenalin im Blut wird abgebaut. Wenn du es zum Beispiel gewohnt sein solltest zu joggen, dann ist das eine tolle Sache – sozusagen eine kontrollierte „Flucht“ zurück zu dir. Aber vielleicht wärest du dann schon ganz von allein auf die Idee gekommen, loszurennen.

Auch Liegestütze können gut funktionieren, oder eben Armstütze jeglicher Art – am Boden, gegen die Wand, an der Sofa- oder Stuhlkante festhaltend, vorwärts, rückwärts… egal. Sogar Yogaübungen wie der Sonnengruß, der Hund, der nach unten schaut, Planke, Seitstütz, Halbmond etc. können gute Dienste leisten. Auch die hierbei bewußt geführte Atmung hilft, dein System zu beruhigen.

Nach einigen Wiederholungen oder einer kleinen Weile wirst du feststellen, wie du ruhiger wirst. Und damit auch wieder denkfähiger.

Und wenn du diesen Punkt erreicht hast – dann kannst du vielleicht überlegen, ob es etwas gibt, das du sinnvoll tun kannst, um dich auf unterschiedliche mögliche Auswirkungen der aktuellen Situation vorzubereiten. Vielleicht zusammen mit deiner Familie, Freunden oder Nachbarn im Gespräch. Gut vorbereitet zu sein, zu wissen, was du tun kannst, wo du im Zweifelsfall Hilfe findest, all dies wird dir ein inneres Gefühl der Kontrollierbarkeit der Situation geben und sollte den Panikattacken ein gutes Stück weit Einhalt gebieten.

Und wenn sie doch wieder kommen – kannst du mit der Bewegung von vorn anfangen, Kontakt zu Menschen suchen, und dir bewusst machen, dass du gut vorbereitet bist.

Komm gut durch die aktuelle Zeit!

Katharina

Herrchen verwaist!

Ich bin 41 Jahre alt und lebe allein. Um mich herum habe ich meinen kleinen Freundeskreis, bin im Fußballverein vor Ort aktiv und ich habe einen guten Kontakt zu meiner Familie. Soweit alles gut.

Vor einigen Monaten musste ich aber meinen Hund Henry einschläfern lassen, ein Golden Retriever. 12 Jahre lang hat er mich durch dick und dünn begleitet, er war einfach immer da, und er hat gemerkt, wenn es mir nicht gut ging.

Ihn einschläfern zu lassen, war das Schwerste, was ich jemals tun musste. Er hatte eine Herzmuskelschwäche und ist fast daran erstickt, weil er nicht mehr richtig atmen konnte.

Es ist mir fast peinlich, das zuzugeben, aber ich bin immer noch sehr traurig, ganz besonders, wenn ich nach Hause komme und mein Kumpel nicht an der Tür auf mich wartet. Meine Freunde und Familie sagen, es sei ja „nur“ ein Hund gewesen, so ist das nun mal, Tiere sterben, es muss weitergehen und all diesen Mist. Nur helfen tut mir das nicht, ganz im Gegenteil. Er war mein bester Freund!

Nun frage ich mich, ob das normal ist, so lange um ein Tier zu trauern. Ich weiß doch, dass Henry ein wirklich gutes Leben hatte, und er war auch schon alt. Da müsste ich doch damit umgehen können und mich freuen, dass wir so lange Zeit miteinander hatten, oder?

Aber seit Henry tot ist, fühle ich mich wahnsinnig einsam und leer. Ich merke, dass ich mir noch so oft sagen kann, dass der Tod zum Leben gehört und diesen Kram, aber deshalb fühle ich mich kein bisschen besser.

Wie kann ich aus diesem Loch herauskommen und wieder das Gute in meinem Leben mehr wahrnehmen?
Carsten

Hallo Carsten,

der Tod gehört zum Leben dazu, das ist richtig.
Und das Abschiednehmen und Trauern gehört ebenfalls zum Leben dazu!

Was ist schon normal?
Ein Mittelwert.

Bei Manchen geht das sehr schnell und bei Anderen dauert es sogar länger als die eigentliche Zeit, die man miteinander hatte. Aber was ist schon normal? Eine Mittelwert, der über viele Einzelfälle hinweg errechnet wurde – dieses „normal“-Maß findet sich selten in Form einer echten Person.

Offenbar ist es noch keinem Ihrer Freunde oder Bekannten in einer Verlustsituation so (lange so) ergangen, wie es Ihnen geht. Vielleicht hat noch keiner Ihrer Freunde und Bekannten ein geliebtes Wesen verloren, das derart eindeutig loyal zugewandt war, wie Henry Ihnen. Vielleicht hat noch keiner Ihrer Freunde und Bekannten jemanden verloren, mit dem er oder sie eine solch lange oder intensive, innige Zeit verbracht hat. Oder vielleicht haben Ihre Freunde und Bekannten nur einfach andere Verarbeitungsmuster, denn eins ist ganz sicher: Keiner von Ihren Freunden und Bekannten IST (wie) Sie.

Henry war Ihr bester Freund. Ein Freund, der zuverlässig Freude signalisierte, wenn Sie nach Hause kamen. Ein Freund, mit dem Sie viel erlebt haben, und dabei war er immer ehrlich und vermutlich für Sie gut berechenbar. Über 12 Jahre. Das ist ein langer Zeitraum, in dem sich diese hochpositive, emotionale und wiederkehrende Erfahrung stabil und zuverlässig in Ihr Hirn eingeprägt hat, eine Zeit, in der starke Erinnerungsstrukturen in Ihrem Gehirn gewachsen sind.

Und jetzt ist er weg.

Ihre Wohnung, in der er zuvor auf Sie gewartet hat, ist leer. Sie kommen allein nach Hause, und Henry ist nicht da, um sie zu begrüßen. Henry ist nicht da, um ihm durchs Fell zu strubbeln, Sachen wie „komm her, mein Freund“ zu ihm zu sagen, die Nase in seine Locken zu stecken oder hinters Ohr oder die Stirn an seine Stirn zu legen; da ist kein fröhliches Herumtollen, Bälle oder Stöcke werfen, keine gemeinsamen Spaziergänge oder zuvor der herausfordernde Blick, der sagt: „Herrchen, ich muss raus! Los! Jetzt!“.

Sich zu verabschieden, ist ein Prozess. Je vertrauter die Verbindung war, umso intensiver kann die Erinnerung zurückkehren, wenn etwas so ähnlich ist, wie es einmal war. Und daher kann dieser Prozess dann vielleicht auch umso länger dauern.

Wir können unter der Erinnerung zusammenbrechen, wenn wir uns standhaft gegen sie behaupten wollen – oder wir können sie begrüßen, mit ihr gehen, vielleicht auch in das Loch hinein, den Schmerz fühlen, ihm Raum und vielleicht Gestalt geben und damit dem Verlorenen Wertschätzung entgegenbringen.

Ich erlaube mir, in der Betrachtung des Prozesses keinen Unterschied zu machen zwischen Mensch oder (tierischen) Freund. Daher gebe ich dies zu bedenken: Früher gab es für Menschen in unserer Kultur das „Trauerjahr“, eine ganze Runde all der besonderen Tage und Momente, die so ein Jahr bereit hält. Wir haben den Totensonntag, um in einem christlichen Rahmen der Gegangenen zu gedenken – ein Ritual, das auch die Sicherheit geben kann, nicht einfach nur zu vergessen.

Rituale helfen!

In Mexico wird der „Día de los Muertos“ gefeiert. Gefeiert! Ein Tag, an dem die Geister der Toten eingeladen werden, in die Mitte der Lebenden zurückzukehren – ein Ritual, das einen Rahmen gibt, in dem intensiv und positiv an die Gegangenen gedacht wird.

Und dann sind da Sie – und Sie können und wollen (!) nicht einfach nur akzeptieren, dass Ihr Kumpel nicht mehr da ist. In meinen Augen ist nichts daran „nicht normal“.

Geben Sie ihm, der Erinnerung, einen Platz in Ihrem Leben. Wie intensiv, das entscheiden Sie! Vielleicht nehmen Sie sich ein Bild und stellen es gut sichtbar auf. Wann immer Ihr Blick darauf fällt, können Sie sich einen kleinen Moment (oder auch eine längere Zeitspanne) nehmen, um an Henry zu denken. Vielleicht hängen Sie seine Leine neben die Tür, so dass Sie beim Heimkehren in einem kleinen Ritual in liebevoller Erinnerung „Hallo Henry“ sagen können. Vielleicht haben Sie ihm früher von Ihrem Tag erzählt – vielleicht tut es Ihnen gut, dies wieder zu tun: „Hey, alter Kumpel, ich weiß, du bist nicht mehr da, aber ich möchte Dir so gern erzählen…“. Vielleicht gehen Sie spazieren auf Ihren alten Wegen und erinnern sich daran, wie es war: „Na, Henry, weißt du noch? Hier hast du …“. Vielleicht möchten Sie einfach nur die Augen schließen, und sich vorstellen, wie Sie mit ihrem Freund herumtollen. Vielleicht gibt es auch ganz etwas anderes, das sich für Sie passend und gut anfühlt.

Und ja, sich zu erlauben, von ganzem Herzen traurig zu sein, kann sich gut anfühlen!

Es hilft, der Trauer
Raum zu geben

Vielleicht entdecken Sie in sich sogar Wut darüber, dass er sterben mußte, oder ein Gefühl von Schuld, weil er litt, und Sie es nicht verhindern konnten. Oder weil Sie ihn töten ließen – auch wenn es Henry von seiner Qual erlöst hat. Beim Trauern geht es oft um mehr, als nur um die pure Tatsache, dass jemand oder etwas im Leben fehlt.

Es hilft, der Trauer Raum zu geben. Und zu wissen, dass es dafür eine reservierte Zeit gibt (einen Atemzug lang, eine halbe Stunde, eine ganze Woche extra dafür genommenen Urlaub…) kann helfen, außerhalb dieser Zeit am normalen Leben (wieder) leicht(er) teilzunehmen.

Ein Hund ist ein Freund, wie es die wenigsten Menschen sein können. Er darf betrauert werden. Genau so und genau so lange, wie es für Sie richtig ist.

Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute!
Katharina Hirsch

Burnout an der Waschmaschine

Foto: Pixabay auf pexels

Liebe Katharina,

ich bin angestellt in einer leitenden Funktion im sozialen Bereich. Immer wieder stehe ich vor großen Herausforderungen im Umgang mit Finanzen in meinem Bereich, dabei gibt es viel Druck von Seiten der Geldgeber und wenig Hilfestellung, auch nicht durch die Kollegen. Außerdem bin ich diejeniege, die bei jedem Streit im Team angesprochen wird. Oft komme ich mir vor wie im Kindergarten. Jetzt befürchte ich, dass ich einen Burnout habe – am Wochenende habe ich mich komplett in meiner Wohnung verkrochen. Ich wollte niemanden sehen oder hören, dabei gab es eine Verabredung, auf die ich mich sogar gefreut hatte. Ich musste sie absagen!

Rückzugsimpulse sind
ein natürlicher Reflex
der Selbstfürsorge!

Zum Schluss habe ich sogar auf das Piepen meiner Waschmaschine mit einem Heulanfall reagiert. Ich will einfach nicht mehr. Was mache ich denn jetzt?

Lydia Z.

Hallo Erschöpfte,

Rückzugsimpulse, noch dazu in einem komplexen, insgesamt fordernden Umfeld, sind erst einmal ein sehr natürlicher, gesunder Reflex – sich immer wieder Erholungspausen zu nehmen, zu geben, zu erlauben, ist eine wichtige Strategie, um die eigenen Batterien wieder aufzuladen.

Ja, oft geben Freunde und liebe Menschen uns neuen Schwung und ermöglichen uns, loszulassen, auf andere Gedanken zu kommen, uns zu erfrischen.

Und dann wieder geht es manchmal einfach darum, möglichst gar nichts zu müssen! So absolut rein gar nichts. Nicht einmal reden, lächeln, irgendwas…

In der Bibel steht: „Am siebten Tage sollst du ruh‘n“. Ich verstehe das als psycho-logische und gesellschaftliche Aufforderung zu einer regelmäßigen, individuellen Erfrischungskur.

Wir brauchen Zeiten des Nichts-tuns. Die kreative Geschichtenerfinderin Astrid Lindgren soll dazu gesagt haben: „…und dann muss man ja auch noch die Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen“.

Für manche Menschen ist jedoch genau das das Schwierigste überhaupt: loszulassen; sich nicht angesprochen zu fühlen von irgendwelchen Aufgaben, die erledigt werden könnten (angeblich sogar „müssen“), von Ideen, die verfolgt und umgesetzt werden könnten, von Kontakten, die gepflegt werden sollten, und so weiter, und so fort…

Für Burnout-Geplagte gilt es zu lernen, „Nein“ zu sagen zu Anderen bzw. zu Anforderungen von Außen und diese für eine Weile zu vergessen, während sie „ja“ sagen zu sich selbst.

Burnout hin oder her: Offenbar ist es in deinem Leben so weit gekommen, dass dein System einfach nur noch „Nichts“ will. Anders gesagt: eine Ruhepause. Eine so absolute Pause, dass sie nicht einmal gestört wird von der Info einer fertigen Waschmaschine mit ihrer (von dir verstandenen) Aufforderung zur Aktivität!

Wenn es um pure Erschöpfung geht, dann hilft dir für den Anfang vielleicht eine ärztlich verordnete Auszeit.

Doch vermutlich brauchst du auch etwas, wodurch du dich regelmäßig erholen kannst, eine regelmäßige Routine ganz in deinem eigenen Tempo und nur für dich. Dies könnte eine tägliche Atem- oder Entspannungsübung sein, eine Weile des ungestörten Lesens, eine Zeit zum Löcher-in-die-Luft-starren oder anderes. Vielleicht hilft dir auch eine wöchtenliche Ich-Zeit mit einem offiziellen Rahmen wie eine Massage, eine Runde Yoga unter Anleitung (hier kann ich Yin-Yoga oder Restorative-Yoga empfehlen: zwei Stile, bei denen „Nichts-tun“ unter verschiedenen Bedingungen angesagt ist – und vor allem ohne sportlichen Anspruch!) oder etwas anderes, das dir gut tut.

Was kannst du abgeben?
Welche Aufgaben delegieren,
welche umorganisiseren?

Und dann gibt es auch noch die andere Seite des Burnouts, die bereinigt werden muss: Jene des „Zuviel“. Hier braucht es ein „Weniger“, ein Abgeben von Aufgaben, ein Delegieren, Umorganisieren.

Vielleicht ist es hierbei besonders hilfreich, dir konkrete Unterstützung zu holen. Alleine passiert es schnell, dass wir betriebsblind werden, indem wir (für Andere) offensichtliche Lösungen übersehen oder gar nicht auf die Idee kommen, sie in Betracht zu ziehen. Hilfreich kann bedeuten: Eine wohlwollende Kollegin, ein guter Freund, eine vertraute Ratgeberin oder eine professionelle Fachkraft wie ein Coach – jemand, der dir hilft/helfen kann, den Blick aufs Ganze zu behalten und ebenso bei Bedarf freundlich nachzuhaken und ins Detail zu gehen.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute,
Katharina

Leben mit Nebenbuhler?

Foto: pexels, by pixabay

Vor 7 Jahren habe ich meine Frau kennengelernt. Wir sind wir 5 Jahren verheiratet, unsere Tochter ist 4 Jahre alt. Seit einigen Monaten lebt meine Frau von montags bis freitags in einer WG in einer 100 km entfernten Stadt. Ich kümmere mich um unsere Tochter.

Vor kurzem wollte ich sie überraschen und fuhr abends zu der anderen Wohnung. Ich habe einen eigenen Schlüssel. Dort fand ich sie im Bett mit ihrem Mitbewohner. Unbemerkt ging ich wieder.

Später stellte ich sie zur Rede. Meine Frau sagte, es sei nur Sex. Sie wolle aber nicht darauf verzichten, weil es so einen besonderen Reiz hätte. Auf ihre Ehe und ihre Familie wolle sie auch nicht verzichten. Ich weiß im Moment nicht, wie ich dauerhaft in einer solchen Konstellation leben kann.

T.B.

Lieber Familienvater,

wichtiger als die Frage, ob Sie in dieser Konstellation leben können – theoretisch und für manch einen auch praktisch ist das durchaus möglich – ist die Frage: Wollen Sie das?

Wollen Sie das?

Sie sprechen davon, dass Ihre Frau nichts aufgeben wolle. Schön für Ihre Frau, dass sie sich über ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse im Klaren ist.

Und wie steht es mit Ihnen?

Wie stehen Sie zu der Tatsache, dass Sie ihre Frau entdeckt haben?

Hätte es einen Unterschied gemacht, wenn sie Ihnen gesagt hätte, dass sie sexuelle Wünsche an ihren Mitbewohner hat? Wenn ja, welchen?

Wie fühlt es sich an, ihre Frau montags zu ihm fahren zu lassen, und sie freitags zurückkehren zu sehen? Wie geht es Ihnen in der Zwischenzeit? Und wie in der Zeit, wenn Sie beide zusammen sind?

Welche Frage, welcher Aspekt beschäftigt Sie zur Zeit ganz konkret oder am Dringendsten? Geht es um greifbare Fakten oder mehr um emotionale Befindlichkeiten?

Gehen Sie
Schritt für Schritt

Vielleicht muss nur eine einzige – die wichtigste – Frage klar und deutlich für Sie beantwortet sein, um zu einer Haltung und dazu passenden Handlung zu kommen. Vielleicht zeigen sich nach und nach verschiedene Details, vielleicht sind auch (schon) alle auf einmal da. Auf jeden Fall steht ein Klärungsprozess für Sie an. Gehen Sie ihn Schritt für Schritt.

Können Sie dies gemeinsam mit Ihrer Frau im Gespräch durchlaufen und klären? Benötigen Sie eine neutrale Person, die Ihnen beiden dabei hilft (z.B. ein Paartherapeut)? Oder brauchen Sie viel mehr einen Menschen, der auf Ihrer Seite steht und Sie stärkt (ein guter Freund, eine väterliche/mütterliche Person aus ihrem Umfeld, ein Therapeut oder Coach)?
Als Coach stehe ich Ihnen gerne bei.

Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gute Portion Klarheit,
Katharina Hirsch

Karriere mit Hindernissen

Foto: von pixabay, auf pexels

Sehr geehrte Frau Hirsch,

mit 30 Jahren habe ich es schon weit gebracht! Zielgerade strebe ich eine Partnerschaft in einem privaten Bankhaus an. Gut 50 Stunden und mehr investiere ich dafür pro Woche.

Nun belasten mich zwei Sachen:
Zum einen möchte meine Freundin nicht einsehen, dass die Karriere nun einmal meine erste Priorität ist. Sie spricht immer häufiger über Heirat und Kinder.

Dabei, das ist Punkt zwei, ist es jetzt schon schwierig, mich ausreichend zu erholen, da ich seit einiger Zeit schlecht schlafe. In der Nacht kreisen meine Gedanken um die Karriere und einer Angst vorm Versagen. Diesen zusätzlichen Druck von ihr kann ich nicht gebrauchen.

Wie kann ich ihr klarmachen, was wirklich wichtig für mich ist und mich besser auf meine Arbeit konzentrieren?

Freundlichst,
K.B.

Sehr geehrter Karrierist,

sind Sie wirklich sicher, dass Sie Ihrer Freundin klarmachen möchten, dass sie absolut nicht das Wichtigste in Ihrem Leben ist?
Dann dürfte die Antwort doch recht leicht fallen: Sagen Sie es ihr.
Vermutlich werden Sie so den Freiraum gewinnen, sich voll und ganz, befreit von jeglicher Beziehungslast, auf Ihr Ziel zu konzentrieren.

Beim zweiten Teil Ihrer Frage wird es schon kniffliger. Denn wenn Sie schlecht schlafen, weil Sie befürchten, zu versagen, wird das Versagen umso wahrscheinlicher. Ihnen geht nach und nach die Lebens- und Arbeitsenergie verloren. Sie sagten es bereits.

Die Methoden, die mir einfallen, um Ihren Schlaf zu verbessern, werden sich allesamt auf die Zeit auswirken, die Sie für Ihr absolut wichtigstes Ziel aufbringen wollen. Denn Ihr Körper (Erschöpfung) und Geist (gedanklich nicht loslassen können) verlangen dringend nach Ausgleich, nach einer Work-Life-Balance, und zu dieser gehören: Pausen, wertvolle soziale Verbindungen, Bewegung (optimaler Weise in der freien Natur) und lauter solche Sachen, von denen Sie vermutlich nichts hören wollen.

Sollten Sie jedoch das Folgende noch lesen, so kann ich Ihnen sagen: Mit einem ausgeruhten, ausgeglichenen Geist lässt es sich vielfach effektiver denken und arbeiten, in der Folge besser schlafen und dann wieder arbeiten. Und ein bewegter, gekräftigter Körper trägt Sie mit viel mehr Leichtigkeit durch den Tag – und ebenfalls, da durch Aktivität entspannt – durch die Nacht. Eigentlich können Sie nur verlieren, wenn Sie weitermachen wie bisher. Und sehr viel gewinnen, wenn Sie sich erlauben, regelmäßig ein wenig Abstand zu nehmen.

Kommen Sie gern auf mich zurück.

Herzliche Grüße,
Katharina Hirsch

Genervt vom inneren Schweinehund

Liebe Katharina,

zum Glück ist der Januar vorbei! Jetzt hat es sich bald mit diesen blöden „guten Vorsätzen“ und dass alle Welt kein anderes Thema hat. Das bringt mich nur in den kompletten Widerstand, dabei hat mein innerer Schweinehund auch so schon das Sagen!

Das ist super praktisch

Ich bin 30 Jahre alt, arbeite seit meiner Ausbildung als Bürokauffrau im gleichen Unternehmen und wohne in der gleichen Straße wie meine Eltern. Das hat sich alles so ergeben, ist super praktisch und eigentlich auch ganz schön. Immerhin habe ich meine eigene kleine Wohnung und bin mein eigener Chef.

Trotzdem würde ich gern einiges verändern und manchmal überlege ich, in die Stadt zu ziehen und mir eine neue Wohnung zu suchen. So könnte ich mir die lange Fahrt von einer Stunde bis zu meiner Arbeitsstelle sparen. Ein liebevoller Partner wäre schön und ein paar Kilo weniger würden mir sicher auch gut stehen.

Wenn ich auf dem Sofa liege, scheint oft so klar, wo ich ansetzen muss. Wohnungsanzeigen checken, mich zum online-dating anmelden, mehr Sport machen und so weiter. Aber sobald ich plane, es anzugehen, gewinnt dieser nervige innere Schweinehund.
Janine

Hallo Janine,
eine Stunde Fahrt zur Arbeit erscheint mir gar nicht so praktisch.

Aber dein innerer Schweinehund wird seine Gründe haben, dir das einzureden. Der innere Schweinehund kommt uns zwar oft gemein und sogar träge vor, aber er hat einen Job, den er in der Regel sehr gut und mit viel Einsatz macht: Uns vor Schwierigkeiten bewahren. Der Preis dafür ist leider oft – ein erfüllendes Leben.

Du könntest alles verlieren
und alles gewinnen

Ich muss dir sicher nicht sagen,
dass 1+1=2 ergibt (Stunden, die du täglich für den Arbeitsweg aufbringts. Praktisch?),
dass 1+1>2 sein kann (die Summe ist mehr als die ihre Einzelteile – im Fall einer Partnerschaft), und
(hier stoße ich an die Grenze meiner mathematischen Sprachkenntnisse) 1+1 alles mögliche nach sich ziehen kann: Wenn du zum Beispiel mehr Sport machst, verändert sich nicht nur dein Körper, sondern auch dein Tagesablauf, vielleicht dein Freundeskreis, vielleicht weitere Freizeitaktivitäten, vielleicht Ideen in deinem Kopf, Möglichkeiten in deinem Leben, …

Ui!

Bist du dazu bereit? Du könntest alles verlieren und alles gewinnen (obwohl es in den seltensten Fällen so dramatisch zugeht).

Dein innerer Schweinehund scheint sicher zu stellen, dass alles beim Alten bleibt. Braver Hund, könnte sich auch manche*r denken.

Wenn du nun aber gewillt bist, der großen weiten Welt und dem Leben eine Chance zu geben, so könntest du

nur für einen Tag

deinem inneren Schweinehund die Aufmerksamkeit entziehen, und dir zum Beispiel morgens auf dem Weg zur Arbeit eine Zeitung kaufen oder online ein paar Wohnungsanzeigen checken, ein paar Anrufe tätigen und noch am gleichen Abend ein oder zwei Wohnungen anschauen. Ganz unverbindlich.

Du könntest, noch während du auf dem Sofa liegst und weißt, was du tun solltest, tatsächlich die Online-Anmeldung durchziehen, und einfach mal loslegen. Niemand sagt, dass du dich morgen wieder einloggen musst…

Oder vielleicht würde es Spaß machen, nur für heute (wann auch immer dieser Tag ist) eine Sportgelegenheit zu ergreifen und ausprobieren, wie viel Freude sie dir macht. Vielleicht gibt es eine Freundin, die jubeln würde, wenn du endlich mal mit ihr zu deren Zumba-Kurs im Fitness-Studio mitkommst.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute,
Katharina

Abteilungsleiterin in Nöten

Vor Kurzem wurde ich zur Abteilungsleiterin befördert. Das war schon lange mein Ziel, also könnte man meinen, ich würde mich freuen. Das tue ich auch. Fachlich kann ich die Aufgaben gut bewältigen. Doch immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich im Umgang mit meinen Mitarbeitern extrem unsicher werde. Am liebsten möchte ich mich dann in meinem Büro verstecken.

Ich habe ständig das Gefühl, zu versagen und dass die Leute mich nicht ernst nehmen. Bisher habe ich immer versucht, nicht weiter aufzufallen. Mit der Taktik bin ich auch gut durchgekommen. Doch wenn ich jetzt kritisiert werde, fehlt mir jegliche Widerstandskraft. Sicherlich ist vieles nicht halb so schlimm, wie ich meine, aber innerlich bin ich jedes Mal völlig fertig. Manchmal braucht es nur einen schiefen Blick, und schon fühle ich mich ganz klein und unfähig, angemessen zu reagieren.

Später bin ich dann wieder wütend auf mich selbst, weil ich so unfähig bin.
Den ganzen Stress nehme ich auch noch mit nach Hause und liege dann nachts oft wach. Wenn das so weiter geht, halte ich auf der Stelle nicht lange durch.

Hallo Abteilungsleiterin,

erst einmal: Herzlichen Glückwunsch!
Sie haben sich ein Ziel gesetzt, und Sie haben es erreicht! Dazu haben Sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich überzeugt. Es gibt in Ihrem Arbeitsumfeld also Menschen, die in Ihnen das ganze Potenzial sehen, die Aufgabe auszufüllen.

Ich kann…!

Auch Sie selbst sind offenbar davon überzeugt (genug), dass in Ihnen die Fähigkeiten stecken, die (An-)Leitung einer Abteilung zu übernehmen. Schließlich hatten Sie den Mut, sich auf die Stelle zu bewerben.
Welche Fähigkeiten sind es, die Sie selbst überzeugt haben? Wie haben Sie es geschafft, so weit zu kommen? Wie haben Sie es geschafft, andere von sich zu überzeugen?

Das ist Ihre Basis. Das ist Ihr „Kapital“. Machen Sie es sich bewusst. Wieder und wieder. Bis Sie es auch glauben.

Mein Vorschlag an Sie: Schreiben Sie es auf.

Sie könnten die Aussagen beginnen mit:
Ich kann…!
Ich weiß, wie/dass…!
Es ist mir schon gelungen, …!
Wenn abc, dann kann/weiß/mache ich xyz….

Vielleicht gibt es auch (in Ihrem Fall besonders wertvolle) Beispiele von
„Andere sagen, ich kann/weiß/mache…“.

Wenn Sie mit der Sammlung Ihrer Stärken fertig sind, hängen Sie diese Informationen an einen Ort, an dem Sie immer wieder diese Selbstbestätigungen, die auf Erfahrung und/oder Fremdeinschätzungen basieren, lesen können. Zum Beispiel in Ihrem Zuhause an den Badezimmerspiegel, an den Kleiderschrank, an die Ausgangstür oder jeden anderen Ort, der Ihnen passend erscheint.

Außerdem verwahren Sie ein zusätzliches Exemplar griffbereit in der Handtasche. So können Sie im Zweifelsfall immer wieder eine Portion Selbstachtung und Selbstwertbestätigung tanken.

Sollte die Taktik der positiven Selbstbestärkung nicht (gut genug) funktionieren, dann empfehle ich Ihnen, dass Sie sich aktive Unterstützung durch ein Gegenüber – in einem begleitenden Coaching oder durch eine Therapie – suchen. Dann könnten Sie im Dialog und bei wohlmeinender Unterstützung die Ursachen Ihrer Unsicherheit ergründen, die Vorteile ihrer bisherhigen Lieblings-Taktik würdigen und ggf. aufgekommene Fremd-Kritik hinterfragen lernen.

Außerdem böte es sich an, Techniken zur Stressreduktion zu erproben, um auf Dauer mehr innere Ruhe zu entwickeln.
Doch dies würde hier zu weit führen.
Daher verbleibe ich damit, Ihnen

von Herzen alles Gute

zu wünschen!

Alle für einen

Das ist doch
alles Wahnsinn!

Hallo Frau Hirsch,
in meiner Nachbarschaft machen wir uns Sorgen um Einen aus unserer Mitte. Er ist durch seine Arbeit vollkommen überfordert – er hatte bereits einen Herzinfarkt und ist seither sehr deprimiert. Bei seiner Arbeit kann er wohl nicht delegieren, und seine Frau sitzt zuhause, anstatt sich eine Teilzeitarbeit zu suchen, um ihn zu unterstützen. Nun haben die beiden eine neue Wohnung gekauft, dabei ist das Haus, in dem sie in unserer Nachbarschaft wohnen, noch nicht verkauft. Das ist doch alles Wahnsinn! Was können wir ihnen raten?
C.W.

Liebes Sprachrohr,

es ist schwierig, einer Gruppe von Menschen zu raten, wie sie mit anderen Menschen umgehen sollen, denn in der Regel hat doch jeder eine eigene Wahrnehmung auf die Gesamtsituation, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als wären alle sich einig. Daher möchte ich mich auf eine Perspektive konzentrieren: Deine.

Du machst dir also Sorgen um einen Menschen aus deinem nahen Umfeld. Hat er dich um Rat gebeten? Wünscht er deine Hilfe? Vermutlich nicht, denn dann wäre die Frage wohl präziser, und vermutlich würde sie an anderer Stelle oder von ihm direkt gestellt.

Auch scheint es so, dass er und seine Frau einen Weg gefunden haben, den sie gehen wollen. Und das ist einzig ihre Entscheidung.

Trotzdem betrifft sie auch dich (und deine Nachbarn): Einer (zusammen mit Einer) wird die Gemeinschaft verlassen. Es stehen Veränderungen an.

In wie weit bist du konkret davon betroffen? Vielleicht macht es dich traurig, die vertrauten Menschen gehen zu sehen. Vielleicht – oder sogar vermutlich – bringt es Unsicherheit mit sich: Werden wir uns wiedersehen? Wird der Kontakt bestehen bleiben? Und wie werden „die Neuen“ sein, die dann in die Straße ziehen? Werden sie sich integrieren?
Bist du bereit, neue Menschen in dein Leben zu lassen? Oder wirst du dir erlauben, potenzielle Neue eine Weile zu beobachten oder gar zu ignorieren, bis du so weit bist?

Und natürlich kann es sein, dass es dir bei deinem Nachbarn um einen Menschen geht, dessen Wohl dir so wichtig ist, dass du es ihn wissen lassen möchtest. Wenn dem so ist, dann kann es ein Gespräch zwischen euch beiden eröffnen, ihm zu sagen, was dich bewegt, was du mit Blick auf ihn bei dieser Entwicklung empfindest und was du dir für ihn wünschst.

Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg,

Katharina

Ein Weltbild stürzt ein

Foto: Kat Jayne, von Pexels

Liebe Katharina,

nach einer Reise bricht gerade meine Welt zusammen: Beim Anblick meiner Wohnung möchte ich einfach nur in die Knie sinken vor Entsetzen, wie lieblos ich mit meinem Umfeld umgehe. Auf einem Foto musste ich erkennen, dass ich die Dickste unter meinen Bekannten bin – dabei lästere ich ständig über jede Schwäche bei Anderen. Bei meiner (sozialen) Arbeit glaube ich wegen meiner direkten Art auf Ablehnung zu stoßen. Es wird immer schwerer, das alles irgendwie zu überspielen. Was kann ich tun?

Christine

Hallo Erschütterte,

ganz oberflächlich betrachtet, liegt die Antwort auf der Hand:

Schritt 1 – Prüfe, was genau du verändern möchtest.
Schritt 2 – Finde heraus, wie du es angehen kannst. 
Schritt 3 – Tu es.

Allerdings habe ich den Eindruck, es geht hier nicht um die Problemfelder Wohnungsgestaltung, Diät und Sport oder Kommunikationstechniken, sondern um ein anderes Thema: Selbstwert und (Selbst-)Akzeptanz bzw. Annahme.

Ich habe den Impuls, dir zu sagen: Nimm dich fürs Erste selbst in den Arm. Und das gern wirklich konkret (muss ja niemand sehen). Oder wende dich an einen Menschen, den du darum bitten kannst. Solche Einsichten sind manchmal schwer zu ertragen.

Und vielleicht weißt du schon lange um diese Unstimmigkeiten. Vermutlich hast du eine damit einhergehende Selbstabwertung bisher erfolgreich abgewehrt: zum Beispiel durch aktive Ignoranz (z.B. „blind“ für den Zustand deines Umfeld) und Fremdabwertung (lästern).

Nun aber wird es immer schwerer, diese Kluft aus Vorstellungen oder Erwartungen versus Realität zu überbrücken.

Auch wenn Viele es nicht wissen: Es kostet Kraft, unwillkommene Gedanken wie „der mag mich nicht“ oder „ich sehe so hässlich aus“ beiseite zu schieben. Denn wir tun dies (meistens unbewusst), in dem wir Muskeln anspannen, den Atem anhalten oder unsere Aufmerksamkeit verschieben. Diese Vorgänge kosten den Körper Energie.  Wenn sich die Baustellen noch dazu mehren, wird es umso schwerer, diese Energie aufzubringen.

Es ist also mehr als esoterisches Geblubber wenn es heißt, Körper, Geist und Seele seien eins. Wir reagieren mit dem Körper, über Hormone und Nervenimpulse, mit Muskeln und Organen, auf Gedanken und Gefühle.

Im Gegensatz dazu bedeutet Selbstannahme, zu akzeptieren, wie wir sind oder nicht sind, wie wir handeln oder nicht handeln, wie wir fühlen oder nicht fühlen, was wir denken oder dass wir überhaupt denken. Mit dem Nebeneffekt: Keine Muskelanspannung, kein Luftanhalten, keine Ablenkung.

Sei achtsam im Umgang mit dir selbst, und wenn du merkst, dass es zu schwierig ist, dich dir selbst konzentriert zuzuwenden, dann hole dir bitte Unterstützung bei guten Freunden, einfühlsamen und vertrauenswürdigen Zuhörern oder Fachleuten.

Wie also kannst du vorgehen?

Es geht darum, dass du dich dir und deinen Wahrnehmungen und Empfindungen aufmerksam und freundlich zuwendest.

Dazu solltest du wissen, dass Emotionen Gefühle sind, die uns in Bewegung „hin zu“ oder „weg von“ einer Sache bringen wollen. Und diese Gefühle haben die Eigenschaft, sich schnell zu verändern – wenn ihnen keine Bremse (in Form von Anspannung) gesetzt wird. Wenn wir verstehen, wozu uns eine Emotion bewegen will – und der erste Handlungsimpuls verflogen ist – können wir nach einer sinnvollen Lösung Ausschau halten. Oft steht sie uns dann sogar klar und deutlich vor Augen, da die hilfreiche Verhaltensweise nicht mehr von der Emotion selbst vernebelt wird.

Kurz gesagt: Emotionen sind unsere Freunde. Wir müssen sie jedoch „zu nehmen“ lernen.

Nimm dir also ein wenig Zeit, in der du ungestört bist.

Beobachte deinen Atem. Auch er ist ein guter Freund, der dich unterstützt, das Leben (und Emotionen) fließen zu lassen. Den Atem zu beobachten kann generell sehr entspannend sein.
Dann erinnere dich an den Moment deiner Erkenntnis. Spüre in deinen Körper hinein, irgendwo wird er reagieren: mit Anspannung, kribbeln, Wärme, pulsieren, einem Unwohlsein, Aufregung….

Lasse deine Aufmerksamkeit auf dieser Reaktion ruhen. Erinnere dich wieder an deinen Atem, lasse ihn möglichst sanft und gleichmäßig fließen. Beobachte die Regung in dir weiter, und beobachte dein Denken. Vielleicht entstehen auch innere Bilder oder du hörst etwas. Lerne das Zusammenspiel aus Körper und Geist kennen. Lerne die Zusammenhänge kennen. Lasse deinen Atem weiter fließen.

Früher oder später wirst du vermutlich seufzen oder tief durchatmen. In diesem Moment hast du die Anspannung rund um die Reaktion losgelassen, vielleicht hast den Zusammenhang erkannt. Voraussichtlich fühlst du dich dann deutlich ruhiger und vielleicht so etwas wie Frieden in dir.

Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg!
Katharina

„Vielleicht irgendwann“

Hallo,

ich bin jetzt schon seit 8 Jahren mit meinem Freund zusammen. Es hat lange gedauert, bis es bei uns so richtig fest wurde, weil er sich nicht gerne festlegt. Ich habe aber gelernt, wie ich mit ihm umgehen muss. Mittlerweile wohnen wir zusammen. Ich bin 28 und sehne mich nach einem Baby. Wenn ich ihn darauf anspreche, drückt er sich und sagt: „ vielleicht irgendwann.“ Ich will aber nicht ewig warten! Es fällt es mir schon schwer, das Thema nicht anzusprechen, und ich fange jedes Mal an zu weinen.

Was soll ich tun?




Hallo Sehnsuchtsvolle,

deine Frage spricht von Druck und unbefriedigten Bedürfnissen. So scheint der Drang nach einem Baby in dir groß zu sein. Oder ist es vielleicht ein anderer Drang? Vielleicht nach etwas mehr Macht in der Beziehung? Danach, den eigenen Willen durchsetzen, (vielleicht auch einmal) den Ton und das Tempo vorgeben? Oder geht es dir vielleicht darum, gesehen, gehört, verstanden zu werden?

Manchmal entwickeln wir Menschen eigenartige Wege, um uns zu behaupten. Und wenn wir nicht bekommen, was wir brauchen (z.B. Aufmerksamkeit, Beachtung, Wertschätzung/Liebe usw.), versuchen wir häufig mehr vom Gleichen, anstatt neue Wege zu gehen.

Geht es also aktuell wirklich darum, jetzt ein Baby zu bekommen? Ich frage dich das ganz wertfrei. Denn wenn es so ist, dann kann ein Babywunsch wirklich sehr viel Macht und Druck in einer Frau entwickeln, um sich zu verwirklichen, und dafür auch nach außen drängen. Das hat die Natur grundsätzlich gut eingerichtet, um die Fortpflanzung sicher zu stellen. Rein biologisch (oder nüchtern) betrachtet, muss dann manchmal der eine oder andere potenzielle Partner ausscheiden, weil er sich als untauglich erweist.

Hier habe ich die entscheidende Frage für dich: Ist der Mann an deiner Seite der richtige Partner für dich und deine Zukunft(spläne)?

Wenn du dir unsicher bist, kannst du verschiedene Alternativen fantasieren: 

Wäre er der Richtige, wenn er kein Kind zeugen könnte? Wäre er es, wenn du kein Kind empfangen könntest? Wäre er der Richtige, um vielleicht gemeinsam andere Wege – wie eine Adoption – zu gehen? Wäre er ein guter Vater?

Und dann ist da noch sein „vielleicht irgendwann“:

Wäre er der Richtige, wenn er dauerhaft kein Kind wollen würde und du ihm zuliebe auf die Mutterschaft verzichten müsstest?

Worum also geht? Um deine bestehende Partnerschaft, um Mutterschaft oder um beides? Wenn du diese Frage für dich geklärt hast – und ich behaupte nicht, dass das leicht ist – dann hast du die Richtung, in die es weiter geht.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute,
Katharina