Genervt vom inneren Schweinehund

Liebe Katharina,

zum Glück ist der Januar vorbei! Jetzt hat es sich bald mit diesen blöden „guten Vorsätzen“ und dass alle Welt kein anderes Thema hat. Das bringt mich nur in den kompletten Widerstand, dabei hat mein innerer Schweinehund auch so schon das Sagen!

Das ist super praktisch

Ich bin 30 Jahre alt, arbeite seit meiner Ausbildung als Bürokauffrau im gleichen Unternehmen und wohne in der gleichen Straße wie meine Eltern. Das hat sich alles so ergeben, ist super praktisch und eigentlich auch ganz schön. Immerhin habe ich meine eigene kleine Wohnung und bin mein eigener Chef.

Trotzdem würde ich gern einiges verändern und manchmal überlege ich, in die Stadt zu ziehen und mir eine neue Wohnung zu suchen. So könnte ich mir die lange Fahrt von einer Stunde bis zu meiner Arbeitsstelle sparen. Ein liebevoller Partner wäre schön und ein paar Kilo weniger würden mir sicher auch gut stehen.

Wenn ich auf dem Sofa liege, scheint oft so klar, wo ich ansetzen muss. Wohnungsanzeigen checken, mich zum online-dating anmelden, mehr Sport machen und so weiter. Aber sobald ich plane, es anzugehen, gewinnt dieser nervige innere Schweinehund.
Janine

Hallo Janine,
eine Stunde Fahrt zur Arbeit erscheint mir gar nicht so praktisch.

Aber dein innerer Schweinehund wird seine Gründe haben, dir das einzureden. Der innere Schweinehund kommt uns zwar oft gemein und sogar träge vor, aber er hat einen Job, den er in der Regel sehr gut und mit viel Einsatz macht: Uns vor Schwierigkeiten bewahren. Der Preis dafür ist leider oft – ein erfüllendes Leben.

Du könntest alles verlieren
und alles gewinnen

Ich muss dir sicher nicht sagen,
dass 1+1=2 ergibt (Stunden, die du täglich für den Arbeitsweg aufbringts. Praktisch?),
dass 1+1>2 sein kann (die Summe ist mehr als die ihre Einzelteile – im Fall einer Partnerschaft), und
(hier stoße ich an die Grenze meiner mathematischen Sprachkenntnisse) 1+1 alles mögliche nach sich ziehen kann: Wenn du zum Beispiel mehr Sport machst, verändert sich nicht nur dein Körper, sondern auch dein Tagesablauf, vielleicht dein Freundeskreis, vielleicht weitere Freizeitaktivitäten, vielleicht Ideen in deinem Kopf, Möglichkeiten in deinem Leben, …

Ui!

Bist du dazu bereit? Du könntest alles verlieren und alles gewinnen (obwohl es in den seltensten Fällen so dramatisch zugeht).

Dein innerer Schweinehund scheint sicher zu stellen, dass alles beim Alten bleibt. Braver Hund, könnte sich auch manche*r denken.

Wenn du nun aber gewillt bist, der großen weiten Welt und dem Leben eine Chance zu geben, so könntest du

nur für einen Tag

deinem inneren Schweinehund die Aufmerksamkeit entziehen, und dir zum Beispiel morgens auf dem Weg zur Arbeit eine Zeitung kaufen oder online ein paar Wohnungsanzeigen checken, ein paar Anrufe tätigen und noch am gleichen Abend ein oder zwei Wohnungen anschauen. Ganz unverbindlich.

Du könntest, noch während du auf dem Sofa liegst und weißt, was du tun solltest, tatsächlich die Online-Anmeldung durchziehen, und einfach mal loslegen. Niemand sagt, dass du dich morgen wieder einloggen musst…

Oder vielleicht würde es Spaß machen, nur für heute (wann auch immer dieser Tag ist) eine Sportgelegenheit zu ergreifen und ausprobieren, wie viel Freude sie dir macht. Vielleicht gibt es eine Freundin, die jubeln würde, wenn du endlich mal mit ihr zu deren Zumba-Kurs im Fitness-Studio mitkommst.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute,
Katharina

Abteilungsleiterin in Nöten

Vor Kurzem wurde ich zur Abteilungsleiterin befördert. Das war schon lange mein Ziel, also könnte man meinen, ich würde mich freuen. Das tue ich auch. Fachlich kann ich die Aufgaben gut bewältigen. Doch immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich im Umgang mit meinen Mitarbeitern extrem unsicher werde. Am liebsten möchte ich mich dann in meinem Büro verstecken.

Ich habe ständig das Gefühl, zu versagen und dass die Leute mich nicht ernst nehmen. Bisher habe ich immer versucht, nicht weiter aufzufallen. Mit der Taktik bin ich auch gut durchgekommen. Doch wenn ich jetzt kritisiert werde, fehlt mir jegliche Widerstandskraft. Sicherlich ist vieles nicht halb so schlimm, wie ich meine, aber innerlich bin ich jedes Mal völlig fertig. Manchmal braucht es nur einen schiefen Blick, und schon fühle ich mich ganz klein und unfähig, angemessen zu reagieren.

Später bin ich dann wieder wütend auf mich selbst, weil ich so unfähig bin.
Den ganzen Stress nehme ich auch noch mit nach Hause und liege dann nachts oft wach. Wenn das so weiter geht, halte ich auf der Stelle nicht lange durch.

Hallo Abteilungsleiterin,

erst einmal: Herzlichen Glückwunsch!
Sie haben sich ein Ziel gesetzt, und Sie haben es erreicht! Dazu haben Sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich überzeugt. Es gibt in Ihrem Arbeitsumfeld also Menschen, die in Ihnen das ganze Potenzial sehen, die Aufgabe auszufüllen.

Ich kann…!

Auch Sie selbst sind offenbar davon überzeugt (genug), dass in Ihnen die Fähigkeiten stecken, die (An-)Leitung einer Abteilung zu übernehmen. Schließlich hatten Sie den Mut, sich auf die Stelle zu bewerben.
Welche Fähigkeiten sind es, die Sie selbst überzeugt haben? Wie haben Sie es geschafft, so weit zu kommen? Wie haben Sie es geschafft, andere von sich zu überzeugen?

Das ist Ihre Basis. Das ist Ihr „Kapital“. Machen Sie es sich bewusst. Wieder und wieder. Bis Sie es auch glauben.

Mein Vorschlag an Sie: Schreiben Sie es auf.

Sie könnten die Aussagen beginnen mit:
Ich kann…!
Ich weiß, wie/dass…!
Es ist mir schon gelungen, …!
Wenn abc, dann kann/weiß/mache ich xyz….

Vielleicht gibt es auch (in Ihrem Fall besonders wertvolle) Beispiele von
„Andere sagen, ich kann/weiß/mache…“.

Wenn Sie mit der Sammlung Ihrer Stärken fertig sind, hängen Sie diese Informationen an einen Ort, an dem Sie immer wieder diese Selbstbestätigungen, die auf Erfahrung und/oder Fremdeinschätzungen basieren, lesen können. Zum Beispiel in Ihrem Zuhause an den Badezimmerspiegel, an den Kleiderschrank, an die Ausgangstür oder jeden anderen Ort, der Ihnen passend erscheint.

Außerdem verwahren Sie ein zusätzliches Exemplar griffbereit in der Handtasche. So können Sie im Zweifelsfall immer wieder eine Portion Selbstachtung und Selbstwertbestätigung tanken.

Sollte die Taktik der positiven Selbstbestärkung nicht (gut genug) funktionieren, dann empfehle ich Ihnen, dass Sie sich aktive Unterstützung durch ein Gegenüber – in einem begleitenden Coaching oder durch eine Therapie – suchen. Dann könnten Sie im Dialog und bei wohlmeinender Unterstützung die Ursachen Ihrer Unsicherheit ergründen, die Vorteile ihrer bisherhigen Lieblings-Taktik würdigen und ggf. aufgekommene Fremd-Kritik hinterfragen lernen.

Außerdem böte es sich an, Techniken zur Stressreduktion zu erproben, um auf Dauer mehr innere Ruhe zu entwickeln.
Doch dies würde hier zu weit führen.
Daher verbleibe ich damit, Ihnen

von Herzen alles Gute

zu wünschen!

Alle für einen

Das ist doch
alles Wahnsinn!

In meiner Nachbarschaft machen wir uns Sorgen um Einen aus unserer Mitte. Er ist durch seine Arbeit vollkommen überfordert – er hatte bereits einen Herzinfarkt und ist seither sehr deprimiert. Bei seiner Arbeit kann er wohl nicht delegieren, und seine Frau sitzt zuhause, anstatt sich eine Teilzeitarbeit zu suchen, um ihn zu unterstützen. Nun haben die beiden eine neue Wohnung gekauft, dabei ist das Haus, in dem sie in unserer Nachbarschaft wohnen, noch nicht verkauft. Das ist doch alles Wahnsinn! Was können wir ihnen raten?
C.W.

Liebes Sprachrohr,

es ist schwierig, einer Gruppe von Menschen zu raten, wie sie mit anderen Menschen umgehen sollen, denn in der Regel hat doch jeder eine eigene Wahrnehmung auf die Gesamtsituation, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als wären alle sich einig. Daher möchte ich mich auf eine Perspektive konzentrieren: Deine.

Du machst dir also Sorgen um einen Menschen aus deinem nahen Umfeld. Hat er dich um Rat gebeten? Wünscht er deine Hilfe? Vermutlich nicht, denn dann wäre die Frage wohl präziser, und vermutlich würde sie an anderer Stelle oder von ihm direkt gestellt.

Auch scheint es so, dass er und seine Frau einen Weg gefunden haben, den sie gehen wollen. Und das ist einzig ihre Entscheidung.

Trotzdem betrifft sie auch dich (und deine Nachbarn): Einer (zusammen mit Einer) wird die Gemeinschaft verlassen. Es stehen Veränderungen an.

In wie weit bist du konkret davon betroffen? Vielleicht macht es dich traurig, die vertrauten Menschen gehen zu sehen. Vielleicht – oder sogar vermutlich – bringt es Unsicherheit mit sich: Werden wir uns wiedersehen? Wird der Kontakt bestehen bleiben? Und wie werden „die Neuen“ sein, die dann in die Straße ziehen? Werden sie sich integrieren?
Bist du bereit, neue Menschen in dein Leben zu lassen? Oder wirst du dir erlauben, potenzielle Neue eine Weile zu beobachten oder gar zu ignorieren, bis du so weit bist?

Und natürlich kann es sein, dass es dir bei deinem Nachbarn um einen Menschen geht, dessen Wohl dir so wichtig ist, dass du es ihn wissen lassen möchtest. Wenn dem so ist, dann kann es ein Gespräch zwischen euch beiden eröffnen, ihm zu sagen, was dich bewegt, was du mit Blick auf ihn bei dieser Entwicklung empfindest und was du dir für ihn wünschst.

Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg,

Katharina

Ein Weltbild stürzt ein

Foto: Kat Jayne, von Pexels

Liebe Katharina,

nach einer Reise bricht gerade meine Welt zusammen: Beim Anblick meiner Wohnung möchte ich einfach nur in die Knie sinken vor Entsetzen, wie lieblos ich mit meinem Umfeld umgehe. Auf einem Foto musste ich erkennen, dass ich die Dickste unter meinen Bekannten bin – dabei lästere ich ständig über jede Schwäche bei Anderen. Bei meiner (sozialen) Arbeit glaube ich wegen meiner direkten Art auf Ablehnung zu stoßen. Es wird immer schwerer, das alles irgendwie zu überspielen. Was kann ich tun?

Christine

Hallo Erschütterte,

ganz oberflächlich betrachtet, liegt die Antwort auf der Hand:

Schritt 1 – Prüfe, was genau du verändern möchtest.
Schritt 2 – Finde heraus, wie du es angehen kannst. 
Schritt 3 – Tu es.

Allerdings habe ich den Eindruck, es geht hier nicht um die Problemfelder Wohnungsgestaltung, Diät und Sport oder Kommunikationstechniken, sondern um ein anderes Thema: Selbstwert und (Selbst-)Akzeptanz bzw. Annahme.

Ich habe den Impuls, dir zu sagen: Nimm dich fürs Erste selbst in den Arm. Und das gern wirklich konkret (muss ja niemand sehen). Oder wende dich an einen Menschen, den du darum bitten kannst. Solche Einsichten sind manchmal schwer zu ertragen.

Und vielleicht weißt du schon lange um diese Unstimmigkeiten. Vermutlich hast du eine damit einhergehende Selbstabwertung bisher erfolgreich abgewehrt: zum Beispiel durch aktive Ignoranz (z.B. „blind“ für den Zustand deines Umfeld) und Fremdabwertung (lästern).

Nun aber wird es immer schwerer, diese Kluft aus Vorstellungen oder Erwartungen versus Realität zu überbrücken.

Auch wenn Viele es nicht wissen: Es kostet Kraft, unwillkommene Gedanken wie „der mag mich nicht“ oder „ich sehe so hässlich aus“ beiseite zu schieben. Denn wir tun dies (meistens unbewusst), in dem wir Muskeln anspannen, den Atem anhalten oder unsere Aufmerksamkeit verschieben. Diese Vorgänge kosten den Körper Energie.  Wenn sich die Baustellen noch dazu mehren, wird es umso schwerer, diese Energie aufzubringen.

Es ist also mehr als esoterisches Geblubber wenn es heißt, Körper, Geist und Seele seien eins. Wir reagieren mit dem Körper, über Hormone und Nervenimpulse, mit Muskeln und Organen, auf Gedanken und Gefühle.

Im Gegensatz dazu bedeutet Selbstannahme, zu akzeptieren, wie wir sind oder nicht sind, wie wir handeln oder nicht handeln, wie wir fühlen oder nicht fühlen, was wir denken oder dass wir überhaupt denken. Mit dem Nebeneffekt: Keine Muskelanspannung, kein Luftanhalten, keine Ablenkung.

Sei achtsam im Umgang mit dir selbst, und wenn du merkst, dass es zu schwierig ist, dich dir selbst konzentriert zuzuwenden, dann hole dir bitte Unterstützung bei guten Freunden, einfühlsamen und vertrauenswürdigen Zuhörern oder Fachleuten.

Wie also kannst du vorgehen?

Es geht darum, dass du dich dir und deinen Wahrnehmungen und Empfindungen aufmerksam und freundlich zuwendest.

Dazu solltest du wissen, dass Emotionen Gefühle sind, die uns in Bewegung „hin zu“ oder „weg von“ einer Sache bringen wollen. Und diese Gefühle haben die Eigenschaft, sich schnell zu verändern – wenn ihnen keine Bremse (in Form von Anspannung) gesetzt wird. Wenn wir verstehen, wozu uns eine Emotion bewegen will – und der erste Handlungsimpuls verflogen ist – können wir nach einer sinnvollen Lösung Ausschau halten. Oft steht sie uns dann sogar klar und deutlich vor Augen, da die hilfreiche Verhaltensweise nicht mehr von der Emotion selbst vernebelt wird.

Kurz gesagt: Emotionen sind unsere Freunde. Wir müssen sie jedoch „zu nehmen“ lernen.

Nimm dir also ein wenig Zeit, in der du ungestört bist.

Beobachte deinen Atem. Auch er ist ein guter Freund, der dich unterstützt, das Leben (und Emotionen) fließen zu lassen. Den Atem zu beobachten kann generell sehr entspannend sein.
Dann erinnere dich an den Moment deiner Erkenntnis. Spüre in deinen Körper hinein, irgendwo wird er reagieren: mit Anspannung, kribbeln, Wärme, pulsieren, einem Unwohlsein, Aufregung….

Lasse deine Aufmerksamkeit auf dieser Reaktion ruhen. Erinnere dich wieder an deinen Atem, lasse ihn möglichst sanft und gleichmäßig fließen. Beobachte die Regung in dir weiter, und beobachte dein Denken. Vielleicht entstehen auch innere Bilder oder du hörst etwas. Lerne das Zusammenspiel aus Körper und Geist kennen. Lerne die Zusammenhänge kennen. Lasse deinen Atem weiter fließen.

Früher oder später wirst du vermutlich seufzen oder tief durchatmen. In diesem Moment hast du die Anspannung rund um die Reaktion losgelassen, vielleicht hast den Zusammenhang erkannt. Voraussichtlich fühlst du dich dann deutlich ruhiger und vielleicht so etwas wie Frieden in dir.

Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg!
Katharina

„Vielleicht irgendwann“

Hallo,

ich bin jetzt schon seit 8 Jahren mit meinem Freund zusammen. Es hat lange gedauert, bis es bei uns so richtig fest wurde, weil er sich nicht gerne festlegt. Ich habe aber gelernt, wie ich mit ihm umgehen muss. Mittlerweile wohnen wir zusammen. Ich bin 28 und sehne mich nach einem Baby. Wenn ich ihn darauf anspreche, drückt er sich und sagt: „ vielleicht irgendwann.“ Ich will aber nicht ewig warten! Es fällt es mir schon schwer, das Thema nicht anzusprechen, und ich fange jedes Mal an zu weinen.

Was soll ich tun?




Hallo Sehnsuchtsvolle,

deine Frage spricht von Druck und unbefriedigten Bedürfnissen. So scheint der Drang nach einem Baby in dir groß zu sein. Oder ist es vielleicht ein anderer Drang? Vielleicht nach etwas mehr Macht in der Beziehung? Danach, den eigenen Willen durchsetzen, (vielleicht auch einmal) den Ton und das Tempo vorgeben? Oder geht es dir vielleicht darum, gesehen, gehört, verstanden zu werden?

Manchmal entwickeln wir Menschen eigenartige Wege, um uns zu behaupten. Und wenn wir nicht bekommen, was wir brauchen (z.B. Aufmerksamkeit, Beachtung, Wertschätzung/Liebe usw.), versuchen wir häufig mehr vom Gleichen, anstatt neue Wege zu gehen.

Geht es also aktuell wirklich darum, jetzt ein Baby zu bekommen? Ich frage dich das ganz wertfrei. Denn wenn es so ist, dann kann ein Babywunsch wirklich sehr viel Macht und Druck in einer Frau entwickeln, um sich zu verwirklichen, und dafür auch nach außen drängen. Das hat die Natur grundsätzlich gut eingerichtet, um die Fortpflanzung sicher zu stellen. Rein biologisch (oder nüchtern) betrachtet, muss dann manchmal der eine oder andere potenzielle Partner ausscheiden, weil er sich als untauglich erweist.

Hier habe ich die entscheidende Frage für dich: Ist der Mann an deiner Seite der richtige Partner für dich und deine Zukunft(spläne)?

Wenn du dir unsicher bist, kannst du verschiedene Alternativen fantasieren: 

Wäre er der Richtige, wenn er kein Kind zeugen könnte? Wäre er es, wenn du kein Kind empfangen könntest? Wäre er der Richtige, um vielleicht gemeinsam andere Wege – wie eine Adoption – zu gehen? Wäre er ein guter Vater?

Und dann ist da noch sein „vielleicht irgendwann“:

Wäre er der Richtige, wenn er dauerhaft kein Kind wollen würde und du ihm zuliebe auf die Mutterschaft verzichten müsstest?

Worum also geht? Um deine bestehende Partnerschaft, um Mutterschaft oder um beides? Wenn du diese Frage für dich geklärt hast – und ich behaupte nicht, dass das leicht ist – dann hast du die Richtung, in die es weiter geht.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute,
Katharina

Schwert gesucht!

Guten Morgen,

ich bin seit einiger Zeit extrem unmotiviert, meine beruflichen aber auch privaten Arbeiten, die zwingend notwendig erledigt werden müssen, fertig zu stellen. Das führt dazu, dass der Berg der nicht erledigten Dinge inzwischen so stark gewachsen ist, dass ich dem kaum mehr Herr werden kann.

Foto: Fancycrave, Pexels

Kern dieser Problematik scheint die berufliche Situation zu sein, bei der es Ewigkeiten dauert, bis ich anfange die notwendigen Sachen weiter zu bearbeiten und dann massive Konzentrationsprobleme habe, sie auch in der notwendigen Intensität weiter zu bearbeiten.

Entsprechend komme ich nicht bzw. zu wenig dazu, private Dinge zu erledigen, da ich ja immer arbeiten muss und dieses auch versuche.

Leider mit unzureichendem Ergebnis bzw. Erfolg…

Wie kann ich diesen gordischen Knoten knacken?

Danke im voraus für die Antwort

Lieber Aufschieber,

was ist es, das dich von der Arbeit abhält? Hier liegt der Dreh- und Angelpunkt zur Lösung deines Problems. Und wie du selbst es schon sagst: Diesen gordischen Knoten wirst du zerschlagen müssen, um wieder vorwärts zu kommen.

Ob du dies in Eigenaktivität tust, und dafür vermeintlich wertvolle Arbeitszeit nutzt, oder ob du dir Unterstützung suchst, zum Beispiel durch ein klärendes und motivationsstützendes Coaching, das liegt – ebenfalls – ganz bei dir. Auf jeden Fall liegt weitere Arbeit vor dir.

Ich frage mich, ob es sich bei dir um eine Prokrastination mit krankhafter Intensität handelt. Ja, so etwas gibt es. Eine „echte“ Prokrastination gilt als ein Problem der Selbststeuerung und wird entsprechend durch Kniffe der Verhaltenssteuerung bearbeitet.

Brauchst du in dieser Hinsicht Hilfestellungen?

Dann könntest du zum Beispiel deine Arbeitszeit an den problematischen Aufgaben verkürzen!

Foto: Susanne Jutzeler, Pexels

Jawohl. Verkürzen. Für den Anfang auf zwei Stunden am Tag. Und erst, wenn du diese zwei Stunden effektiv nutzt, darfst du mehr Zeit dafür aufwenden.

Im Internet gibt es viele Tipps und sogar Webinare zur Selbsthilfe. Und wieder fällt mir ein Coach – vielleicht, aber nicht zwingend, ein Business-Coach – ein, der dich nicht nur durch Informationen und bei der Selbsterkundung, sondern auch mit Feedback ganz individuell unterstützen könnte.

Doch da du davon berichtest, erst „seit einiger Zeit“ darunter zu leiden, gehe ich nicht davon aus, dass hier dein Hinderungsgrund liegt.

Stattdessen liegt mein Hauptaugenmerk auf eher sachlichen oder psychischen Hemmnissen.

Weißt du, was es ist? Was hindert dich wirklich daran, loszulegen?
Bist du vielleicht unendlich urlaubsreif, und dir fehlen körperliche und geistige Energie? Möglicherweise benötigst du ein spezielles Puzzelstück (Wissen, Können, ein konkret materieller Gegenstand), bevor du weitermachen kannst. Gibt es ein wichtiges Thema im privaten oder kollegialen Umfeld, das deine Aufmerksamkeit dauerhaft auf sich zieht? Oder macht dir gar deine Arbeit keinen Spaß mehr? Hast du vielleicht längst deine innere Kündigung geschrieben?

Du ahnst es vielleicht schon, ich könnte jetzt noch eine ganze Weile weiterraten.

Ob mit oder ohne Coach, ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg dabei, deine Antwort zu finden. Du wirst sehen – wenn du der wahren Antwort Raum gibst, liegt die Lösung so gut wie auf der Hand. Und dann ist es nur noch eine Frage des wann und wie.

Katharina

Mitten im Nebel

Liebe Katharina,

ich stehe an einem Punkt im meinem Leben, wo ich nicht mehr klar und deutlich meinen Weg sehe.

Nach Krankheit bekomme ich nun von meinem Chef die Kündigung, nach 26 Berufsjahren.

Ich fühle mich klein und unwissend, obwohl ich mit 55 Jahren mein Leben immer allein gemeistert habe.
Ich habe den Yogaweg eingeschlagen und kann mir vorstellen, hier auch weiter Berufsbegleitend zu unterrichten. Jedoch brauche ich einen Weg bis zur Rente, der dem deutschen System entspricht und mir eine Absicherung gibt. Wie kann ich rausfinden, was für ein Job mir Erfüllung und Zufriedenheit bringt?

Gibt es einen Leitfaden für eine Berufsfindung? Ich bin gespannt was du mir rätst.

Liebe Grüße, Petra

Liebe Petra,

es sind gleich mehrere Aspekte, die dich beschäftigen und die es unter einen Hut zu bringen gilt. Fangen wir jetzt und hier mit dem Ausgangspunkt an, wenn es in deiner beruflichen Zukunft um mehr gehen soll als einen reinen Broterwerb.

Im Sinne eines Leitfadens beginne, für dich zu klären: Was kannst du und – was willst du?

Gerade bei dem ersten Teil der Frage kann es überraschende Erkenntnisse bringen und das Selbstwertgefühl stärken, auch Freunde und Bekannte einzuladen, dich dabei zu unterstützen.

Du kannst 1.000 Dinge
– und mehr!

Eins kann ich dir sagen: Auch wenn du dich klein und unwissend fühlst…. und manchmal fühlt man sich einfach so – so klein und unwissend kannst du gar nicht sein! Wie hättest du sonst dein Leben immer allein meistern können? Außerdem lernt man in 55 Jahren verdammt viel, sofern man sich nicht hinter dem Sofa versteckt. Angefangen bei den grundlegenden Fertigkeiten wie Sprechen, Laufen, andere Kinder nicht an den Haaren zu ziehen, wenn man ihr Spielzeug haben möchte, über die spezielleren Kenntnisse aus der Schulbildung und noch weiter über die der Berufslaufbahn. Dazu kommen alltägliche Tätigkeiten, Hobbies, spezielle Interessen, Beziehungen und Kontakte  – zu Leben bedeutet Lernen vom ersten bis zum letzten Atemzug. Ich vermute, du kannst tausend Dinge und mehr!

Also leg los, schreib es dir auf: Was kannst du alles?
Vielleicht möchtest du direkt beim Atmen anfangen. Als Yogalehrerin ist diese Fähigkeit und das Wissen darum doch schon bedeutsam, nicht wahr!?
Lass dir ruhig ein wenig Zeit, und wage es auch, vermeintlich blöde Sachen aufzuschreiben. Nur weil du z.B. „abwaschen“ aufschreibst, musst du noch lange nicht Spüldienst in einem Restaurant machen (du könntest aber, wenn du wolltest!). Je länger deine Liste wird, und je mehr „bekloppte und banale“ Sachen darauf dürfen, umso eher kann es auch passieren, dass dir Aktivitäten in den Sinn kommen, die dir Freude bereiten, die aber bei einer Suche nach scheinbar rein berufstauglichen Fähigkeiten unter den Tisch fielen.

Wenn Du losziehst,
mit dem Wissen um
deine Herzenswünsche,
dann wirst du
die beste Wahl
erkennen.

Und dann kommt die Sache mit der Freude ganz absichtlich ins Spiel, also knöpfe dir deine Liste wieder vor: Welche der Fertigkeiten und Tätigkeiten machen dir Spaß, erfüllen dich mit Zufriedenheit oder würdest du „wahnsinnig gern machen“? Markiere sie dir, wähle aus, spiele mit Kombinationen, mit Ideen und Möglichkeiten, lass sie in dir lebendig werden. Vielleicht warst du bisher Buchhalterin, und jetzt gehen dir Bilder von Wind und Wetter und natürlicher Umgebung nicht mehr aus dem Sinn.

Ich weiß nichts über deine zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten und Notwendigkeiten, aber wenn du losziehst zur Jobsuche mit dem Wissen um deine wirklichen Herzenswünsche, dann wirst du große Chancen haben, die beste Wahl zu erkennen, die sich dir bietet.

Und noch ein Tipp zum Schluss: Informiere (wenn du soweit bist) auch Freunde und Bekannte über deine Jobsuche – „Vitamin B“ ist ein sehr starker Jobvermittler.

Ich wünsche Dir von Herzen viel Erfolg,
Katharina

Freigeist im Käfig

Ich sage gerne spontan
„Ja“ zum Leben!

Seit vielen Jahren bin ich als Entrepreneur unterwegs. Ein kreativer Geist liefert mir immer wieder neue Inspiration und ebenso eine sehr gute Intuition.

Ich bin jemand der Abwechslung, Freiheit und Flexibilität schätz. Ohne wird es bei mir zu schnell zu ernst und ich lasse Sachen fallen.

Planungssysteme, Time Management und Co sind mir absolut vertraut. Ich setzte gerne und begeistert alles auf. Mit der Zeit passiert meist folgendes:
Die Leichtigkeit verliert sich und ich vergesse einmal aufgesetzte Systeme. Selbst Kalender Erinnerungen blende ich mental aus. Konsistenz ist die größte Herausforderung für mich in der Selbständigkeit.

Schon früh
wurde mir vermittelt,
ich müsse vernünftig,
ernsthaft und
erwachsen sein.

Teils nehme ich es als Wink vom Universum, dass etwas off ist. Doch im Kern habe ich inzwischen schon im Vorfeld Angst davor: „etwas wieder nicht durchzuziehen“.

Grundsätzlich habe ich sehr viel spontane Bewegung in meinem Leben erlebt. Sei dies große Umzüge mal eben ins Land zu meistern oder den 30sten Job zu machen… ich sage gerne spontan „Ja“ zum Leben!

Schon früh wurde mir eher vermittelt ich müsse vernünftig, ernsthaft und erwachsen sein. Also versuchte ich stets den Drang nach Freiheit, die Leichtigkeit, Begeisterungsfähigkeit und Wandelbarkeit zu besiegen und mich anzupassen. Mit dem Ergebnis, dass ich meine Natur nicht ändere, trotzdem zu viele Ideen und Begeisterung habe. Jedoch dabei mir nicht erlaube, all dies als Geschenk und Lebensfreude zu leben. Anstatt dessen versuche „ernsthaft und seriös“ zu sein. Mit dem Ende vom Lied: sprunghaft zu bleiben, nur dass Geschenk dabei nicht zu leben (Freude, Begeisterung, Positivität) sondern zu verurteilen…

Ich sehe hier zwei Seiten einer Medaille und möchte gerne nicht nur unter dem negativen Aspekt leiden, ja inzwischen sogar davor Angst haben… sondern die positive Seite davon genießen und Wege finden, auf „meine Art“ das Leben zu meistern. Mir selber treu bleibend und ohne Angst…

Vielleicht hast Du ein paar Gedanken dazu, wie ich diese Dynamik wandeln kann….?

Danke!!!

Lieber Freigeist,

du fragst, wie du die nagende, pieksende Stimme der Angst zum Schweigen bringen kannst, während du dich der sprudelnden Lebensfreude, Begeisterung, Schaffenskraft und immer wiederkehrenden Neuorientierung widmest.

Ich habe vielleicht eine Neuigkeit für dich: Die Angst – ist eine etwas überfürsorgliche, aber letztlich gutmeinende Freundin. Sie will, dass du bekommst oder behältst, was dir wichtig ist. Sie will für deine Sicherheit sorgen.
Doch leider ist sie mit ihren Lösungen durch Festhalten, Vermeiden und verkopfter Disziplin vielfach keine gute Ratgeberin.

Somit ist es schon sinnvoll, ihr zuzuhören, ihre Bedenken und Sorgen aufzunehmen – und dann zu prüfen, ob diese Sorgen berechtigt sind (manchmal sind sie es) oder ihr glaubhaft zu versichern, dass sie falsch liegt. Und das tut sie oft.

Mir fällt dazu Ronja Räubertochter ein (Romanfigur von Astrid Lindgren): Vater Mattis fordert Ronja immer wieder dazu auf, sich vor allerlei Gefahren zu hüten, unter anderem davor, in den Höllenschlund zu stürzen. Vermutlich meint er „Halte dich fern!“. Doch Ronja geht hin, und übt sich im Hüten. Wieder und wieder springt sie über den Höllenschlund, bis sie auf ihre Sprungfertigkeiten vertraut. Dort wird sie so schnell nicht hineinfallen. Eines Tages muss Mattis ansehen, wie sie über den Höllenschlund springt. Und auch er erkennt irgendwann an, dass Ronja sehr gut auf sich aufzupassen versteht.

Und wie lange musst du
an etwas dranbleiben,
damit es
als „durchgezogen“ gilt?

Wovor also möchte die Angst dich schützen? Worin sollst du dich „zu hüten üben“? Ist es vielleicht sogar längst so, dass du dich gut zu hüten verstehst?

Mit welchen Erfahrungswerten kannst du der Angst den Wind aus den Segeln nehmen? Worin bist du konsistent? Welche Aufgaben erfüllst du sowohl mit Leichtigkeit als auch mit Zuverlässigkeit? (Vielleicht in einem weniger regelmäßigen, weniger offensichtlichen Zeitmuster, aber vielleicht ja doch mit ganz klaren Grundbedingungen.)

Gibt es gemeinsame Nenner bei deinen unterschiedlichen Projekten, Jobs, Ideen? Welche Erfolge haben sich mit der Zeit eingestellt? Auf welche baust du vielleicht Stück für Stück auf?

Da dir Planungssysteme und Time Management „absolut vertraut“ sind, vermute ich, dass du sie schon oft entwickelt und angewendet hast. (Übrigens: Das scheint mir etwas Konsistentes zu sein.)
Haben sich manche davon für dich doch bewährt? Vielleicht sind sie dir selbstverständlich geworden, und du erkennst sie gar nicht als „erfolgreich drangeblieben“.
Und noch einmal allgemeiner gefragt: Was führt dazu, dass du an etwas dran bleibst? Und wie lange musst du an etwas dranbleiben, damit es als „durchgezogen“ gilt?

Also lausche den Argumenten deiner Angst, nutze deine Intuition und bitte um Inspiration für eine angemessene Form der Konsistenz. Ich bin zuversichtlich, dass die Lösung genau in dir liegt. Als der Person, die du bist.

Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg!
Katharina