Do more of what makes you happy!

In meinem Wohnzimmer hängt dieser Spruch – „do more of what makes you happy“ – aus Holz gefertigt. In Aufstellungen, die ich für mich mache, drehen sich immer wieder verschiedene „Personen“ und Anteile zu diesem Impulsgeber um.

Dabei stellt sich die Frage: Was macht glücklich?

Was macht Sie glücklich? Wissen Sie, was Sie glücklich macht?

Oder glauben Sie nur, es zu wissen?

Zu Beginn meines Lebens auf der Suche nach mir* versuchte ich mich an vertrauten Größen:
Energiearbeit, ein Malkursus, Verabredungen. Später kaufte ich ein Saxophon und nahm Unterricht, probierte mich an Gitarrenunterricht, belegte einen Salsakurs und anderes mehr. Nichts davon begann ich aus echter Lust auf die Aktivität. Es waren eher Versuche, etwas in Bewegung zu setzen.

Tatsächlich war ich auf der Suche nach Kontakt. Doch meistens interessierten mich die Menschen, denen ich begegnete, nur wenig. Ich fand mich kaum auf einer Wellenlänge mit ihnen. Aus dieser Zeit sind nur wenige Kontakte geblieben…

Erst als ich eine Entscheidung traf, die mir so viel Angst machte, dass ich einige Wochen lang nachts mit Panikattacken aufwachte – nach Bremen zurückzukehren – konnte ich bald nach der Umsetzung feststellen: Es war besser, hier zu sein – als nicht. Und für den Anfang reichte mir das!

In dieser Entscheidung steckten mein Herz und meine Sehnsucht. Nach Hause zurückkehren. Für meine Begriffe hatte ich viel zu verlieren, als ich sie traf – Hoffnung auf Zugehörigkeit. Denn wichtige alte Kontakte, an die ich hätte anknüpfen können, gab es nicht mehr.

Ich habe gewonnen!

Heute – nach ein paar weiteren Entscheidungen, die immer wieder einen ordentlichen Herzensanteil hatten und im Vorfeld durchaus mit Bammel einhergingen – habe ich einen größeren Freundeskreis als je zuvor! Auch beruflich bin ich auf meinem Weg, schon lange, obwohl manche ihn als unstet betrachten. Tatsächlich hat er sehr viel Konsistenz und für meine Entwicklung stimmige Schritte. Und beides hängt für mich eng zusammen – Beruf und Verbindungen. Aktuell rechne ich mit weiteren Verbesserungen.

Die Moral von der Geschicht?

  • Kopfentscheidungen machen (eher) nicht glücklich.
  • Entscheidungen, die das Potenzial haben, glücklich zu machen, können eine gehörige Portion Angst mit sich bringen. Vielleicht ist sogar gerade die Angst, trotz der man etwas wagt (!!!), ein wesentlicher Richtungsweiser – denn wo es etwas zu gewinnen gibt, gibt es vermutlich auch etwas zu verlieren.
  • Gleichzeitig ist es enorm hilfreich, sich auf den Teil zu konzentrieren, der ersehnt wird. Das mindert die Angst und motiviert zur Aktivität.

Vielleicht gibt es auch Menschen, die so klar mit ihrem Herzen verbunden sind und so sehr im Vertrauen, dass sie keine Angst, sondern nur Freude empfinden, wenn sie ihrem Herzen folgen. Aber ich stelle einmal in Frage, dass diese einen Blog wie meinen lesen 😉.

*Übrigens auch eine Form der Beziehung! Und zwar eine sehr wichtige!

Eigenverantwortung? Was soll der Sch…?

Heute geht es um Verantwortung.
Verantwortung für das eigene Leben.
Das ist eine ziemlich wichtige Sache, und auch in Beziehungen von Bedeutung – denn wer nicht bereit ist, sich seiner möglichen eigenen Verantwortung zu stellen, wird sich oft (und selbstverschuldet) in der Rolle des Opfers wiederfinden: „XY ist schuld“, „Wenn xy nicht passiert wäre, dann…“, „Was kann ich dafür, dass…“, „Es ist einfach unverschämt, zu erwarten, dass…“.

So erlebt es auch Alina*, eine meiner Teilnehmerinnen.
Immer wieder beschwert sie sich, wieviel Druck ihr gemacht werde. Jeder erwarte etwas von ihr. Ständig solle sie funktionieren!
„Das nervt“, sagt Alina. Dieser Druck!
Und erst recht die zuständige Sozialpädagogin, die in der Maßnahme tätig ist, und Alina schon so manchen Fehltag als entschuldigt eingetragen hat.
Dabei tut Alina ihr Möglichstes – doch sie wird einfach nicht rausgeschmissen!

Eigenverantwortung
kann wirklich
unbequem
sein!

Tatsächlich bestärke ich meine Kollegin in ihrer Taktik, Alinas bisherige Unfähigkeit, konsequent „nein“ zu sagen, für den in Aussicht stehenden Abschluss auszunutzen.
Gemein!**
Oder?

Zugegeben: die Sache mit der Eigenverantwortung kann wirklich unbequem sein!

Ich habe selbst oft genug mit dem Leben und diesen lästigen Anforderungen von Außen gekämpft. Auch ich fand mich schon wütend und hadernd in meiner Küche wieder, relativ frisch verliebt – doch zu meinem Missfallen gefordert, den (Arbeits-)Alltag allein zu bewältigen. In meinem Partner hatte ich eine bis dahin unbekannt starke Unterstützung für allerlei Situationen gefunden – und doch musste ich immer wieder darauf verzichten! Da gab es diese dämlichen Verpflichtungen, die ihn oder mich daran hinderten, zusammen zu sein.
So Sachen wie: Die Arbeit. Verabredungen. Unterschiedliche Sportinteressen. Ich hasste es!

Unsere Alternative hätte gehießen: Einfach alles sausen lassen und ab sofort nur noch glücklich beisammensein 😉Natürlich totaler Quatsch. Aus verschiedensten Gründen.
Aber…

Die Lösung? Ich erlaubte mir diesen „Quatsch“** in meinem Kopf und das Hadern und Zetern, bis ich damit durch war – ohne meine Verpflichtungen zu vernachlässigen. Mit im Spiel war ein Sack voller praktischer und sonstiger Argumente, die mir bekannt, aber nicht beliebt waren. ÜBERHAUPT NICHT beliebt!
Das eine oder andere hatte trotzdem Kraft…
Heute kann ich mich ein gutes Stück gelassener auf praktische Notwendigkeiten einlassen 😉

Niemand traf
die Entscheidungen,
die sie
getroffen sehen
wollte!

Mit dieser Grundhaltung des „so weit wie nötig gewähren lassen, weil es hilft“ muss ich lachen, als ich Greta Silver in dem Podcast „glücklich verkopft“ zum Thema „Glück, Krisen, Verletzlichkeit“ zuhöre. Sie berichtet davon, wie sie im Alter von 30 Jahren kapiert habe, dass sie selbst verantwortlich sei für ihr Leben. Urx.
Aus ihrer heutigen, gereiften Perspektive lacht auch sie, als sie berichtet: „Ich hatte heimliche Verträge laufen. Wenn der [Partner/Chef/…] mich richtig behandeln würde, dann wäre ich glücklich!“
Nur – es passierte nicht! Niemand rettete sie. Niemand traf die Entscheidungen, die sie getroffen sehen wollte. Das musste auch Greta Silver selber tun.
Wie auch ich stand sie vor einer Hürde, als sie begann, Selbstverantwortung zu übernehmen: „Ich habe richtig daran geknackt, dass ich keinem mehr die Schuld [für mein Unglücklichsein] geben konnte.“

Zugegeben: Manchmal tut es wirklich gut, jemand anderem die Schuld geben zu können!
(Danke Mama! – Ein glimpflich verlaufener Unfall, den ich verursachte, nachdem ich sie zuhause nicht angetroffen hatte. Wäre sie da gewesen… – Sie „nahm“ die „Schuld“ auf sich. Blödsinn – aber in dem Moment fühlte ich mich geborgen).
Doch letztlich kommt es darauf an zu wissen, wenn es nicht wahr ist!

Und natürlich gibt es Menschen und Situationen, die Unglück für andere verschulden – mit oder ohne Absicht. Aber das sind andere Themen, die zu anderer Zeit behandelt werden sollen…

Noch eine Anmerkung zu Alina:
Die Sozialpädagogin, die so viel Druck macht, tut ihr Möglichstes, Alinas ängstliche, trotzig vorgetragenen Anwandlungen von „Ich schaff das nicht, ich höre auf“ nicht anzunehmen. Denn Alina ist eine gute Schülerin und die Prüfungen stehen kurz bevor.

*Name geändert
**Ansonsten bestärke ich Alina darin, sich gegen unangemessene (!) Forderungen und Übergriffe zu wehren und biete ihr in unserem Kontakt – wann immer möglich – Entscheidungsalternativen.
***Ich weiß, dass Viele nicht unbedingt jedem, wenn überhaupt irgendwem, von solchen inneren Vorgängen erzählen. Genau aus diesem Grund erzähle ich davon. So können Sie sich vielleicht auch trauen, ehrlicher und freundlicher mit sich selbst zu sein. Und gerade Akzeptanz, So-Sein-Dürfen, kann ein machtvoller „Türöffner“ für Veränderung sein!