Genervt vom inneren Schweinehund

Liebe Katharina,

zum Glück ist der Januar vorbei! Jetzt hat es sich bald mit diesen blöden „guten Vorsätzen“ und dass alle Welt kein anderes Thema hat. Das bringt mich nur in den kompletten Widerstand, dabei hat mein innerer Schweinehund auch so schon das Sagen!

Das ist super praktisch

Ich bin 30 Jahre alt, arbeite seit meiner Ausbildung als Bürokauffrau im gleichen Unternehmen und wohne in der gleichen Straße wie meine Eltern. Das hat sich alles so ergeben, ist super praktisch und eigentlich auch ganz schön. Immerhin habe ich meine eigene kleine Wohnung und bin mein eigener Chef.

Trotzdem würde ich gern einiges verändern und manchmal überlege ich, in die Stadt zu ziehen und mir eine neue Wohnung zu suchen. So könnte ich mir die lange Fahrt von einer Stunde bis zu meiner Arbeitsstelle sparen. Ein liebevoller Partner wäre schön und ein paar Kilo weniger würden mir sicher auch gut stehen.

Wenn ich auf dem Sofa liege, scheint oft so klar, wo ich ansetzen muss. Wohnungsanzeigen checken, mich zum online-dating anmelden, mehr Sport machen und so weiter. Aber sobald ich plane, es anzugehen, gewinnt dieser nervige innere Schweinehund.
Janine

Hallo Janine,
eine Stunde Fahrt zur Arbeit erscheint mir gar nicht so praktisch.

Aber dein innerer Schweinehund wird seine Gründe haben, dir das einzureden. Der innere Schweinehund kommt uns zwar oft gemein und sogar träge vor, aber er hat einen Job, den er in der Regel sehr gut und mit viel Einsatz macht: Uns vor Schwierigkeiten bewahren. Der Preis dafür ist leider oft – ein erfüllendes Leben.

Du könntest alles verlieren
und alles gewinnen

Ich muss dir sicher nicht sagen,
dass 1+1=2 ergibt (Stunden, die du täglich für den Arbeitsweg aufbringts. Praktisch?),
dass 1+1>2 sein kann (die Summe ist mehr als die ihre Einzelteile – im Fall einer Partnerschaft), und
(hier stoße ich an die Grenze meiner mathematischen Sprachkenntnisse) 1+1 alles mögliche nach sich ziehen kann: Wenn du zum Beispiel mehr Sport machst, verändert sich nicht nur dein Körper, sondern auch dein Tagesablauf, vielleicht dein Freundeskreis, vielleicht weitere Freizeitaktivitäten, vielleicht Ideen in deinem Kopf, Möglichkeiten in deinem Leben, …

Ui!

Bist du dazu bereit? Du könntest alles verlieren und alles gewinnen (obwohl es in den seltensten Fällen so dramatisch zugeht).

Dein innerer Schweinehund scheint sicher zu stellen, dass alles beim Alten bleibt. Braver Hund, könnte sich auch manche*r denken.

Wenn du nun aber gewillt bist, der großen weiten Welt und dem Leben eine Chance zu geben, so könntest du

nur für einen Tag

deinem inneren Schweinehund die Aufmerksamkeit entziehen, und dir zum Beispiel morgens auf dem Weg zur Arbeit eine Zeitung kaufen oder online ein paar Wohnungsanzeigen checken, ein paar Anrufe tätigen und noch am gleichen Abend ein oder zwei Wohnungen anschauen. Ganz unverbindlich.

Du könntest, noch während du auf dem Sofa liegst und weißt, was du tun solltest, tatsächlich die Online-Anmeldung durchziehen, und einfach mal loslegen. Niemand sagt, dass du dich morgen wieder einloggen musst…

Oder vielleicht würde es Spaß machen, nur für heute (wann auch immer dieser Tag ist) eine Sportgelegenheit zu ergreifen und ausprobieren, wie viel Freude sie dir macht. Vielleicht gibt es eine Freundin, die jubeln würde, wenn du endlich mal mit ihr zu deren Zumba-Kurs im Fitness-Studio mitkommst.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute,
Katharina